Anekdote: Männliches Interesse an Literatur

Wahre Anekdoten – gehört und mitgeschrieben

Männliches Interesse an Literatur

Frau und Mann liegen gemütlich in der Badewanne. Die Frau liest ein Buch, der Mann interessiert sich nicht wirklich für Literatur und wenn, dann doch eher für technische Fachbücher. Die Frau ist gerade in das Buch von Daniel Kehlmann „Die Vermessung der Welt“ vertieft, während der Mann gedankenverloren die entspannte Atmosphäre der Badewanne genießt.

Nach ca. zehn Minuten fällt der Blick des Mannes auf den Buchtitel.

Mann: Hey Du?

Frau: Ja?

Mann: Sag mal … seit wann interessierst Du Dich eigentlich für Landkunde und Geografie?

Frau: Typisch. Das ist mal wieder typisch. (sie schüttelt den Kopf und liest grinsend weiter)

Bei genauerer Betrachtung ist Daniel Kehlmanns Roman dann doch wohl kein Schulbuch im Sinne klassischer Geografie.

Stiftung Lesen – stiftunglesen.de

Tagebuchauszug: 16. Februar 2007

Wenn ein Obdachloser in der U-Bahn eine Rede hält

Berlin, 16. Februar 2007

„[…] Fuhr ich doch Richtung Kochstraße in der U-Bahn unter der Friedrichstraße, um dort Sushi zu holen für den gemeinsamen Abend in unserer WG.

Steigt doch zwei Stationen vorher wieder ein Obdachloser in den Waggon ein und beginnt seine Rede. Schon als ich ihn einsteigen sah, dachte ich mir genervt:

‚Jetzt geht schon wieder die alte Leier los.‘

Doch es kam anders als gedacht!

Nach dem typischem ‚Hallo, ich …‚, ging er witzig über zu ‚… ich nehme auch Diamanten, Brillanten, Aktienpapiere, Kreditkarten …‘ Die Leute in deren Gesichter ich das Gleiche las, was ich zuvor dachte, fingen an zu grinsen. ‚Ein bisschen Spaß muss sein‘, fuhr er fort, ‚unterstützten Sie meine ICH-AG. Angie, unsere Angie, mit der ich gestern noch telefoniert habe, macht das auch …‘

Einige der Leute mussten daraufhin richtig lachen, aber leider gab keiner von ihnen etwas. Ich muss gestehen, ich auch nicht. Bin derzeit zu knapp bei Kasse, um hier und da den Fragenden etwas zu geben und ich hatte auch just in diesem Moment kein Kleingeld dabei. Die „Angie“ ist sicherlich nicht – knapp bei Kasse –, obwohl sie ja den begehrtesten ICH-AG-Job in Deutschland hat, den es zu vergeben gibt:

Nämlich ‚Bunte-Kanzlerin‘ … wie der Obdachlose noch am Schluss erwähnte bevor er uns dann wieder verließ. […]“

Jens Böhme – Auszug aus den Tagebüchern meines Lebens

Hier gibt es mehr Infos über das Tagebuchschreiben und auch Bildern von meinen Tagebüchern:

Bücher von Jens Böhme:

(Artikel aktualisiert 14.05.2025)

Schulze gets the blues – Eine Begegnung mit Horst Krause

Der Kühlschrank war leer und ich war mit meinem Mitbewohner am Dienstag diese Woche bei Reichelt um die Ecke einkaufen. Reichelt ist ein Supermarkt an der Levetzowstraße nicht weit von meinem alten Kiez. In dieser Gegend habe ich ganze vier Jahre gewohnt und von da aus konnte man sogar sehr oft ein Blick auf die Goldelse werfen, die da oben auf der Siegessäule trohnt; je nachdem, wo man sich gerade im Kiez befand.

Im Supermarkt

An der Fleischtheke vorbei hatte ich von Sascha den Auftrag doch Hackepeter zu holen. Als ich dann knapp 500g bekommen hatte und nebenbei auf meinem Handy eine Notiz eintippte, kam mir im Gang ein Mann entgegen dem ich ausweichen musste. Ich sah kurz auf und … „Aber, … aber … aber das ist doch ‚Schulze gets the blues’“. Oder ist er es nicht?

„Hmm …“, dachte ich und war mir nicht sicher und ging weiter. Bei Sascha angekommen, erzählte ich ihm kurz von meiner Vermutung. Wir holten hier und da noch ein paar Waren ein und dann ging es Richtung Kasse.

Im Fahrstuhl

Da der Reichelt einen Fahrstuhl zur Tiefgarage besitzt und wir mit dem Auto unterwegs waren, mussten wir mit unserem Einkaufswagen eben diesen benutzen. Wie es der Zufall so will, schiebt doch tatsächlich „Schulze gets the blues“ den Einkaufswagen auch noch mit hinein. Ganz ehrlich – ich wäre nicht Jens, wenn ich nicht nachharken würde und nur stumm da stehen würde. Also fragte ich den Herrn Horst Krause, den Schauspieler, ob er es wirklich ist und er bejahte dies.

„Na also“, dachte ich und lächelte Herrn Krause fröhlich zu und ein leider zu kurzes Schwätzchen ergab sich im Fahrstuhl. Sascha hörte gespannt zu.

Ein Foto

Schnappschuss
Schnappschuss

In der Tiefgarage angekommen, fragte ich Herrn Krause höflich, ob er denn nicht ein Foto mit mir machen möchte. Und siehe da, ohne mit der Wimper zu zucken und sehr heiter aufgelegt, gab er mir ein „Selbstverständlich!“ zurück. „Wie woll’n sie denn?“

„Na gleich hier, ganz unkompliziert. Von mir aus auch mit dem Einkaufswagen“, meinte ich.

So entstand das Bild mit dem Schauspieler Horst Krause und dem Einkaufswagen vor uns. Ich muss sagen, ich habe mich sehr gefreut Herrn Krause alias „Schulze“ im Film – Schulze gets the blues – getroffen zu haben. Ich wünschte ihm noch einen angenehmen Abend und bedankte mich. Zu Hause in der WG erzählten wir dann, beim vertilgen des Hackepeters auf einer „Stulle„, die überraschende Begegnung unserer Mitbewohnerin.

(Artikel aktualisiert 30.07.2025)

Der Berliner Fernsehturm – Turmschmuck

Bekritzelter Fernsehturm
Bekritzelter Fernsehturm

Die Sonne am Alexanderplatz schaffte es heute erneut ein Lächeln auf die Gesichter der Berliner zu zaubern. Der Berliner Fernsehturm selbst brachte das Staunen.

Am Vormittag konnte jeder sehen, der zufällig einen flüchtigen Blick auf den Fernsehturm warf, dass Fassadenkletterer wieder eine Botschaft anbrachten. Wer der Initiator hinter den unterschiedlich krakeligen Sprüchen an der Außenfassade des Turmes war, konnte zu diesem Zeitpunkt mit bloßem Auge noch nicht festgestellt werden. Erst am frühen Nachmittag als ich mit der S-Bahn vom Alexander Platz aus wieder nach Hause fuhr, sah ich vom Fensterplatz aus nur kurz, dass die Hauptstadtkampagne „be-Berlin“  (sei-Berlin) dahinter stecken muss. Ich hoffe, ich irre mich da nicht? Mal sehen was die hiesigen Tageszeitungen morgen dazu zu berichten haben. Die Idee jedenfalls finde ich originell. Da der Betrachter des oberen Bildes die mutigen Fassadenkletterer nicht genau sehen kann, gibt es auf dem nachfolgenden Bild eine heran gezoomte Nahaufnahme meiner kleinen Hosentaschen-Digicam (Samsung NV20).

Etwas mehr sollte hier nun zu erspähen sein …

Nahaufnahme - Arbeiten an der Fassade
Nahaufnahme - Gestaltung der Außenfassade

Nicht auf die Schippe, aber auf die Schaukel genommen …

… habe ich mich zu Ostern freiwillig selbst.

Was macht der Erwachsene, wenn er eine Schaukel sieht und als Kind gern geschaukelt hat?

Er denkt: Da möchte ich noch einmal Kind sein. Braucht er aber nicht. Denn im Allgemeinen sind die hiesigen Schaukeln so konstruiert, dass jeder normale Mensch damit schaukeln kann.

Es geht los ...
Es geht los …

Sieht man also als Erwachsener eine Schaukel auf dem Kinderspielplatz oder an irgendeiner anderen Ecke, dann sollte jeder von uns ohne groß darüber nachzudenken seinem inneren Drang nachgeben und sich dem Glücksgefühl einer Schaukelpartie ergeben. Einfach die ersten paar Schritte Richtung Schaukel gehen. Der Rest geschieht von ganz allein. Schon nach der 4. oder 5. Amplitude auf der Schaukel ist das Glücks- und Freiheitsgefühl präsent.

Sonne zu Ostern und Wind im Gesicht

Lacht dazu noch die Sonne und genießt man die Bewegung und den Wind im Gesicht, dann ist das „kleine Glück“ perfekt. Bei einem Osterspaziergang (hier muss ich jedes Jahr erneut an Goethes „Osterspaziergang“ denken und versuche ihn dann bei Familie und Freunden irgendwie aus dem Gedächtnis zu kramen und zu rezitieren) erblickte ich freudestrahlend unterwegs einen Spielplatz mit zwei Schaukeln nahe der Wuhle im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Ich erklärte meinen Begleitern, dass ich unbedingt kurz schaukeln möchte. Aus kurz wurde fast eine ganze dreiviertel Stunde bis mir die Arme vom Festhalten an der Stahlkette schwer wurden.

Glück beim Schauckeln: Das richtige Sitzbrett

Das richtige Sitzbrett
Das richtige Sitzbrett

Diesmal hatte ich mit der Breite des Sitzbrettes zusätzliches Glück zum „Schaukelglück“. Eine Schaukel zuvor, die ich an einer anderen Ecke in dieser Gegend ausprobierte, war nämlich der Sitzbereich wirklich nur für Kinder konzipiert worden. So etwas passiert einem echten Schaukelfan öfter als ihm lieb ist. Die Schaukel ist stabil und hält einen aus, aber der Sitzbereich ist viel zu klein. Das schmälert den Genuss. Und, ganz ehrlich, selbst einem korpulenten Kind hätte jenes 1. Sitzbrett mit Sicherheit auch Probleme bereitet. Was bedeutet das für den Schaukelfanatiker? Nun, es drückt ganz leicht an den Seiten der Oberschenkel. Auf Dauer ist das dann sehr unangenehm. Aber dieses Mal, da auf dem Spielplatz, bestand das Sitzbrett aus einer Art Gummisitzbank. Breit genug für jeden Schaukelliebhaber und sehr bequem für längeres Schaukeln auf dem eigenem Sitzfleisch.

Zeit nehmen beim Schaukeln

Mit dem Blick zur rechten Seite auf den Kienberg Berlin – einer doch angenehmen Gegend mitten im berühmten Berliner Plattenmeer Marzahn –

Schaukelschlenker - Spaß muss sein
Schaukelschlenker – Spaß muss sein

und dem zur Linken, wo einige Menschen wirklich große Drachen in den Frühlingshimmel empor steigen ließen, genoss ich diesen wunderbaren Moment in gleichmäßiger Bewegung auf der von mir okkupierten Schaukel. Genau dafür muss der Mensch sich Zeit nehmen, dachte ich mir, sonst lebt und genießt er nicht. Ab und an wechselte ich mit meinen Begleitern ein Wort über Dies & Das, die sich in der Nähe der Schaukel aufhielten. Wie von einer erhobenen Kanzel gab ich meinen glückseligen Senf nach unten.

Das Glück dieser Erde …

Weit oben, wenn die Amplitude schon sehr beachtlich ist und man die Augen schließt und sich deutlich auf das Pendeln der Schaukel konzentriert und die Augen weiterhin geschlossen hält, dann kribbelt es im Bauch. Immer und immer wieder. Bei jeder neuen Bewegung. Ein wunderbares, ein einmaliges Gefühl. Zwar sagt man, dass man das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde findet, aber ich behaupte, dass sich dieses annähernd auch auf dem Sitzbrett einer Schaukel finden lässt – wenn man es selbst zulässt.

Heimatbesuch mit Fummel

„Ich bin wieder hier, in meinem Revier …“

Es fühlt sich an wie April, obwohl noch März war. Ein bisschen Schnee, dann wieder etwas Regen. Am Morgen glaubte ich schon fast durch die strahlende Sonne sei der Frühling endgültig auf dem Vormarsch, aber dann bläst mir ein eisigkalter Wind ins Gesicht und die Wolkenformationen zeigen dem Betrachter immer wieder Unentschlossenheit in der Wolkendarstellung. Ob Berlin, Dresden oder Meißen, Petrus befindet sich momentan in jeder Stadt im Wetterwechselbad der Gefühle.

Ende letzter Woche stand ein kurzer Abstecher in die Heimat auf dem Plan. Zu Besuch bei Mutter’n, die Geburtstag feierte und das versprochene „Hallo“ bei Freunden. „Ich bin wieder hier, in meinem Revier …“, kommt mir dann das Lied von Marius Müller-Westernhagen bei jedem Besuch von neuem in den Sinn. Ich freue mich und staune, wie sich die Stadt Meißen – meine Heimatstadt – vor allem auch baulich verändert hat. Ansonsten bleibt wie so oft zumeist vieles beim Alten.

Bei einem Spaziergang zusammen mit meiner Mutter durch die Stadt kehrten wir auch bei einer bekannten Backwareninstitution (Konditorei Zieger) vor Ort ein, um einen Kaffee zu trinken und in stiller Atmosphäre zu entspannen. An den – Roten Stufen 5 – unterhalb der Albrechtsburg kann der Besucher sich laben; bevor es weiter hinauf zur Burg geht. Natürlich wusste ich auch, welch spezielles Gebäck es neben den schönen Törtchen hier zusätzlich zu kaufen gab: Die Meißner Fummel. Genau hier bei Konditorei Zieger vor dem Aufstieg zur berühmten Albrechtsburg zu Meißen kann der Besucher eine Original Meißner Fummel mit nach Hause nehmen.

Zur Geschichte der Meißner Fummel

… Der Kurier des Kurfürsten von Sachsen verkehrte regelmäßig zwischen Meißen und Dresden. Auf seinem Weg trank er gern einen Schluck des berühmten Meißner Weins, was ihn regelmäßig aus dem Sattel warf. Oft kam die Post lädiert in Dresden an und man vermutete, dass es am Meißner Wein lag. Um das Fehlverhalten nachweisen zu können, beauftragte der Kurfürst die Meißner Bäcker ein entsprechendes Gebäck zu erfinden. Dieses musste so filigran, so zerbrechlich sein, dass es bei der geringsten Erschütterung kaputt gehe. So entstanden die Meißner Fummel. Die einzelne Fummel wird aus einen einfachem Nudelteig hergestellt und hat keinen besonderen Geschmack. Sie zeichnet eine hauchdünne Schale aus. Dies in Form eines Hohlkörpers vergleichbar mit einem unregelmäßigen runden Luftballon.

Dieses Gebäck musste nun der Postreiter unversehrt in Empfang nehmen. Sollte der Reiter damit heil in Dresden ankommen, so wäre er über jeden Verdacht erhaben. War die Meißner Fummel jedoch zerbrochen, konnte der Kurier des Kurfürsten von Sachsen der Trinkerei überführt werden. Die Meißner Fummel ist so zart, dass man sich denken kann was geschah. …

Meine Meißner Fummel

Meißner Fummel
Meißner Fummel

Wenn ich stets Besuch von Freunden oder Bekannte in Meißen hatte, dann habe ich meine Freunde bei einem Spaziergang zur Burg immer zu dieser Konditorei geführt und eine original Meißner Fummel kaufen lassen, die sie dann in unversehrtem Zustand nach Hause bringen mussten. Na ja, zumindest zurück bis zu meiner Wohnung in Meißen. Aber manche Freunde stellten sich auch das Ziel die Meißner Fummel heil bis nach Hause in ihre Heimatstadt zu bringen.

Da ich dieses Mal selbst zu Besuch war, habe ich mir wieder einmal eine eigene Original Meißner Fummel gekauft. Als alter Meißner weiß ich natürlich, dass es sich nicht lohnt mit einer Fummel im Gepäck unterwegs Wein zu trinken. Dieses Mal habe ich meine Fummel heil nach Hause gebracht. Es gab aber auch schon andere – nun ja holprige – Heimwege!

(Artikel aktualisiert 17.05.2025)

Auf ein Wort Herr Kommissar

Auf der Suche nach dem 240er Bus

  1. Auf der Suche nach dem 240er Bus
    1. Mensch Jens, den kennst Du doch – Ernst-Georg Schwill
    2. Das Geständnis
    3. „Ich kenne Sie doch?“
    4. Bis zum Ziel Berlin Hauptbahnhof

Ich habe es wirklich getan. Seit Montag bin ich nun nagelneues Mitglied im Fitness-Studio der Kette MC Fit. Es muss sich ja was bewegen, ich muss mich bewegen! Gerade war ich aus dem Studio an der Prenzlauer Alle gekommen und die Zeit saß mir irgendwie im Nacken, da sah ich zu meinem Pech den Bus – den 240er – von der anderen Seite aus vor meiner Nase wegfahren.

Gut, nicht der Rede wert, dachte ich, nimmst Du eben den Nächsten. Doch ehe ich es im Laufen zur Haltestelle richtige sehe, kam doch gleich hinter den gerade verpassten schon der nächste 240er und fuhr an mir vorbei. Nein, fluchte ich innerlich, was ist denn das? Wenn heute der Fahrplan aus irgendeinem Grund der Quere läuft, dann kann ich alle Termine vergessen. Nun ist es auch irgendwie egal. So bog ich Prenzlauer Allee Ecke Mollstraße rechts ab, lief Richtung Rosa-Luxemburg-Platz und wollte noch schnell bei Plus, sowie bei Schlecker einkaufen gehen. Der Bus war ja eh weg. Anschließend, so war der Plan, ohne großes Gerede Richtung Berlin Hauptbahnhof; hin zu meinem Termin. Geschultert mit meinem Rucksack, einer Chlorflasche zum Reinigen und einem 10er Pack Milchschnitte begab ich mich nach den Erledigungen zur nächsten Bushaltestelle und hoffte inständig, dass die Bus pünktlich fahren würde.

Mensch Jens, den kennst Du doch Ernst-Georg Schwill

Wann kommt der Bus?
Wann kommt der Bus?

Als ich schlendernd an der Haltestelle ankam, sah ich außer mir einen Herrn, der ebenfalls auf den Bus wartete. Wir waren die Einzigen, die auf den Bus warteten und das sollte auch so bleiben. Schnell lugte ich auf den Fahrplan und sah, dass es noch ca. 10 Minuten waren. Doch während ich so überlegte, ob ich meinen Termin 18 Uhr schaffen würde, ratterten meine Gehirnzellen und während ich mit dem Herrn neben mir über die Abfahrtszeiten des Busses sprach – wir analysierten die Wahrscheinlichkeit einer Pünktlichkeit des 240er’s – dachte ich mir: Mensch Jens, den kennst Du doch irgendwoher? Ohne gleich den netten Herrn irgendwo einzuordnen, geschweige denn danach zu fragen, gestand ich dem Herrn vor mir, da ich sah, dass er meine Produkte in der Hand musterte, die Existenz und die Geschichte um das 10er Pack Milchschnitte in meiner linken Hand.

Das Geständnis

„Tja, ich habe gestern Nacht zwei Milchschnitten meiner Freundin gegessen, um nicht zu sagen – regelrecht weg gefressen – in einem regelrechten ‚Fressanfall’. Und nun habe ich hier ein zehner Pack, um mich zu entschuldigen bzw. das Minus im Kühlschrank auszugleichen. Ich habe es ihr auch versprochen und gerade noch daran gedacht.“

„Was? – Weg gefressen!“ Konstatiert der Herr empört mit gespielter Miene und einem Hut auf dem Kopf. „Aber so was macht man doch nich.“ Noch nicht ahnend, wer da vor mir stand, meinte ich ehrlich: „Doch doch, ich schon. Es war ja nichts anderes, nichts Süßes mehr im Kühlschrank und einen der Becher Nudossi, der sonst herhalten muss, war auch schon leer.“

„Aber das macht man doch nicht, ehrlich.“ Wiederholte er sich und sprach schon etwas sanfter. „Da kann man doch Brot oder irgendwas anderes Essen. Aber doch nicht die Milchschnitte der Freundin aus dem Kühlschrank ‚wegfressen’.“ Seine Miene blieb weiterhin ernst und bei mir klingelte es langsam. Mensch Jens, das ist doch … ja, das ist doch ein bekannter Schauspieler. Ja klar, den kennst du doch noch aus DDR-Spielfilmen, von der DEFA. Mensch, wer war das noch mal? Wenn jetzt meine Mutter hier wäre, dann wüsste ich es sofort, wer hier vor mir steht. Mütter wissen immer alles und kennen jeden. Gerade jetzt war sie nicht mit dabei. Die Standpauke des Herrn wirkte und ich machte ein betröpfeltes Gesicht. „Nun ja, richtig ist es nicht, aber da kann ich nichts machen, wenn es mich mitten in der Nacht überfällt. Und erst noch irgendwelche Eier braten, denn die waren auch noch im Kühlschrank, dazu hatte ich keine Lust.“ Ich überlegte: „Und Brot, neeeee … ich wollte ja was Süßes. So einen richtigen Heißhunger hatte ich, auf Süßes.“

„Na mit dem 10er Pack sollte sie wieder auf dem richten Weg sein alles wieder in Ordnung zu bringen.“ Meinte der Herr und lächelte jetzt ein wenig. „Ich hoffe es doch.“ Sagte ich und hielt für ihn sichtbar stolz meinen 10er Pack Milchschnitten empor.

„Ich kenne Sie doch?“

Eine kurze Pause der Ruhe entstand und ich überlegte immer noch woher ich den Herrn kannte. Schaute auf die Uhr, betrachtete das geschäftige Treiben rund um den Rosa Luxemburg Platz und fragte dann neugierig: „Sagen Sie mal, ehe ich hier dumm herum stehe … darf ich Sie etwas fragen?“ Er nickte und wartete gespannt auf meine neugierige Frage. „Sie sind doch Schauspieler oder?“ „Ja.“ Die Antwort war kurz. „Ich kenne Sie doch“, behauptete ich stolz und habe dabei bestimmt ein wenig doof aus meiner Wäsche geschaut, „Mensch, woher kenne ich Sie bloß?“ Einfach nur DDR-Schauspieler zu sagen, war mir dann irgendwie zu platt.

„Tatort?“ Der nette Herr half mir wieder mit einer kurzen Antwort.

„Ja genau“, bestätigte ich freudestrahlend, „unter anderem aus dem Tatort.“ Das war es doch. Auch wenn ich den Tatort nur ab und zu mal schaue, nicht so wie einige meiner Freunde denen der Tatort-Fernsehabend am Sonntag heilig ist, so habe ich doch eben die Erinnerung an Kriminaloberkommissar Lutz Werber erhalten. Vor mir stand wahrlich der Schauspieler Ernst-Georg Schwill. Ein Kommissar. „Was heißt hier eigentlich blöd herumstehen?“ Fragte er mich. „Nun ja, wenn ich hier stehe und die Zeit totschlage, um auf den Bus zu warten, dann …“

„… ach was! Man muss sich auch mal etwas entspannen und auch an der Bushaltestelle steht man nicht sinnlos herum. Das ist zum Beispiel ein Moment einmal zu Ruhe zu kommen, weil man es sowieso nicht ändern kann. Berlin ist sehr groß im Durchmesser. Wenn man da von A nach B will, da muss der Mensch sich auch damit abfinden, dass nicht alles gleich klappt.“ Konstatierte Herr Schwill.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst-Georg_Schwill

„Aber ich habe einen Termin um 18 Uhr.“ Ich lugte erneut auf die Uhr. „Termine“, überlegte er, „ja die gibt es, aber nicht immer kann man pünktlich sein. Das ist so eine Sache. Immer diese Hektik durch diese Termine, dieses Gerieben sein, also das habe ich mir abgewöhnt.“ Ich lauschte seinen Ausführungen und dem Fazit. „Dann ist es eben so.“

Im Grunde genommen hatte er ja Recht. Aufgefallen war mir das auch schon, doch wenn man einmal in dieser Terminmaschinerie drin ist, kommt man nicht so schnell raus. Ich nickte zustimmend und erklärte ihm, dass er nun schon die zweite Person innerhalb weniger Tage war, die mich, wenn auch auf unterschiedlichem Wege, auf diese Farce der Termintreue in unserer Welt aufmerksam machte. Ich erzählte ihm kurz vom Buch von Sabine Kuegler, in dem sie eben diese Problematik der westlichen Welt, immer getrieben von Terminen, immer verplant zu sein, ähnlich dargestellt hat.

Wir waren im Gespräch und kamen so von einem Thema ins andere.

Bis zum Ziel Berlin Hauptbahnhof

Irgendwann kam dann auch der Bus und wir stiegen ein. Ich hatte meine Monatskarte und ging vor. Herr Schwill zahlte ein Ticket und setzte sich daraufhin neben mich. Wir führten die Unterhaltung bis zum Berliner Hauptbahnhof weiter fort. Wir diskutierten aus unserer Erfahrung über die Arbeit beim Film. Als wir erkannten, dass wir beide auch noch Autoren waren, berichtete er mir von seiner Biografie „Is doch keene Frage nich – Erinnerungen eines Schauspielers“. Im Gegenzug erzählte ich etwas von meinem Roman (Der Tausendfüßler). Es war ein entspanntes Gespräch mit Herrn Schwill und als wir letztendlich am Hauptbahnhof – Endstation – ankamen und ausstiegen, bekam ich noch eine Autogrammkarte für meine Mutter, um diese in das Buch legen zu können, welches ich ihr definitiv zum Geburtstag schenken wollte.

Durch diese schöne Begegnung hatte ich auch gleich das passende Geschenk gefunden: Die Biografie von Herrn Schwill. Wir verabschiedeten uns freundlich voneinander, wünschten uns noch einen guten Tag – zusätzlich wies mich Herr Schwill noch auf den nächsten Tatort in Berlin am 19. April  „Oben und Unten“ hin – und ein jeder ging in unterschiedlicher Richtung weiter. Am Fahrrad angelangt, musste ich innerlich lächeln. Habe ich doch eher zufällig einen Berliner Tatortkommissar (den Assistenten Lutz Werber) getroffen. Welch interessante und angenehme Situation das war! Hätte ich jedoch sofort gewusst, dass hier einer der Herren Kommissare höchst persönlich vor mir stand, dann hätte ich das Geständnis mit der Milchschnitte nicht so leicht preisgegeben. Aber in meiner Langeweile und meinem Quatschwahn war dieses wohl ein wirklich zu leichter Fall gewesen, der binnen weniger Minuten aufgelöst wurde.

Ne ne, hätte ich das eher gewusst, wäre ich mit Sicherheit eine wesentlich härtere Nuss im Verhör gewesen. Das könnt ihr mir glauben.

Weitere Informationen:

 (Artikel aktualisiert 18.02.2025)

Schnapsideen – Dinge, die man wirklich tut

Das Liebe Geld

Als ich einmal einen echt finanziellen Engpass hatte, das war im Jahr 2005, habe ich im TIP Berlin in der Rubrik „Sonstiges“ folgendes annonciert:

– Der Tausendfüßler – psychologischer Liebesroman – gebe alle Rechte ab – Preis Verhandlungssache – … was folgte, war die Telefonnummer und E-Mai-Adresse.

Mal ehrlich …

Wie naiv, … wie bescheuert und größenwahnsinnig muss ich eigentlich gewesen sein, mir 1. die Rechte abnehmen zu lassen für ein Projekt in dem so viel Herzblut steckt, 2. zu glauben, dass es irgendeinen Interessenten dafür geben würde, 3. zu hoffen mit dieser Aktion mein lädiertes Konto aufzupäppeln und 4. überhaupt auf die Idee zu kommen etwas von irgendjemandem zu erwarten und diese Schnapsidee auch noch umzusetzen?

Schnapsidee
Schnapsidee

Herrjemine … das war keine Sternstunde in meinem Leben … aber so ist das nun mal, wenn man sich zu viel einbildet und gleichzeitig in der Klemme steckt.

Jedoch überzeugt von der Story, wie ich es damals war, dass es eine kleine interessante Geschichte ist, in der sich ein jeder Leser wieder finden kann und die von vielen unterschiedlichen Gefühlsfacetten durchflutet ist, die der Leser auch nachvollziehen kann, bin ich immer noch! Oh ja. Wäre auch schlimm, wenn nicht.

  • Kurzer Einschub: Ich bin immer noch davon überzeugt uns stolz darauf – Stand 01. April 2025 – und das ist kein Aprilscherz!

Doch ich muss zugeben, dass ich dabei auch in selbstgefälliger Art und Weise auch an hiesige Filmeproduzenten gedacht habe. Die mich mit einem „Äpple & nem EI“ abspeisen und die Story einfach an sich nehmen, später umpolen und das Ganz Manuskript den Haifisch-Storyliner im filmischen Textbecken in den Rachen werfen.

Wer weiß, für was es gut ist?

Okay, die fantasievolle Hoffnung, dass eventuell auch ein Literaturagent oder Verlag dies lesen würde, schwirrte da unterschwellig auch mit. Aber wenn es Hinz & Kunz gewesen wäre und mir auch nur annähernd 500 € dafür gegeben hätte (sei es dass Hinz & Kunz es sogar nur zum Feuer anmachen benutzen würden) – ich hätte diesen Deal wohl gemacht.

  • Kurzer Einschub zum 1. April 2025 – Gott sei Dank habe ich den Deal nicht gemacht! Sonst gebe es wohl dieses Literatur-Blog nicht!

Letzen Endes – Was ist passiert?

Angerufen hat aber niemand, auch keine E-Mail habe ich erhalten. „Gott sei’s getrommelt und gepfiffen“ und wer weiß, für was es gut war?

>>> Wofür es gut war, schaut einfach hier vorbei! <<<

(Artikel aktualisiert 01.04.2025)

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