Das Meißner Literaturfest – Deutschlands größtes eintrittsfreies Open-Air-Lesefest
Auch in diesem Jahr findet wieder das „Literaturfest Meißen“ statt. Das nunmehr 7. Lesefest in der Domstadt steht unter dem Motto »Zwischen den Welten – Geschichten aus nah und fern«. Am 9. bis 12. Juni sind alle Literaturbegeisterten in Meißen eingeladen am -Fest der Literatur- teilzunehmen.
Jedes Jahr lädt die für das Porzellan bekannte Stadt Meißen in Sachsen ein!
Plakat – „Ups, Literaturfest – und ich habe noch kein passendes Buch“
Termine Literaturfest Meißen
Der Termin für das Literaturfest in Meißen ist immer das zweite Juniwochenende.
Die nächsten Termine werden sein: 13. – 15. Juni 2025 / 12. – 14. Juni 2026
Noch kein passendes Buch gefunden? Der Roman „Der Tausendfüßler“ spielt direkt in Meißen!
Die Geschichte um den Autor Conrad Wipp und die Buchhändlerin Mira spielt direkt in Meißen, der Stadt an der Elbe. Ein kleiner Abstecher nach Dresden, der im Laufe der Geschichte nicht ohne Folgen bleibt, ist auch inbegriffen.
Mit „Germany 2064 – Ein Zukunftsthriller“ in der Übersetzung von Michael Windgassen ist erstmals ein Roman für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2015 nominiert.
Der Bestsellerautor Martin Walker, bekannt durch die Bruno-Krimi-Reihe, die im wunderschönen Périgord in Frankreich spielt, ist nunmehr für die Shortlist zum Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2015 mit aufgestellt. Im Rahmen seiner Lesung zum neuen Bruno-Roman „Provokateure“ stellte Martin Walker in der Thalia Buchhandlung Berlin/Hallen Am Borsigturm am 5. Oktober auch seinen neuen Zukunftsthriller „Germany 2064“ vor. Walker war sichtlich erfreut und stolz darauf auf der Shortlist zu stehen. Es sei eine Ehre für ihn und er betonte das Außergewöhnliche an der Nominierung: Zum ersten Mal ist ein Roman mit von der Partie!
Bestsellerautor Martin Walker mit Germany 2064 / Deutschland 2064
Wer Martin Walker kennt, weiß, dass er Historiker, politischer Journalist und Schriftsteller in einer Person ist. Als Historiker schmückt er fabelhaft-interessant die Bruno-Romane mit historischen Fakten und der Leser lernt sehr viel über die geschichtliche Vergangenheit in Frankreich sowie die Welt in Frankreich selbst kennen. Bei seinen Büchern kann davon ausgegangen werden, dass er hier im Vorfeld fundiert recherchiert hat und dem Leser bei jeder Geschichte auch immer Wissenswertes mit auf dem Weg gibt. In der Geschichte selbst sind diese Nuancen keineswegs langatmig oder gar langweilig!
Durch seine Beteiligung an der Initiative „Deutschland 2064 – die Welt unserer Kinder“ (ein Projekt mit der Deutschen Regierung zu Fragen der Infrastruktur, Bildung und Investitionen in 50 bis 60 Jahren) ist Martin Walker auf die Idee gekommen einen Roman über diese Zeit zu schreiben. Inspiriert wurde er durch die vielen Seminare zu Themen wie Demografie und Arbeit in der Zukunft. „Ich wollte dann gern einen Roman dazu schreiben“, erklärte Martin Walker auf der Lesung in Berlin.
Germany 2064 – Ein Zukunftsthriller von Martin Walker
Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis
Zum 9. Mal wird vom „Handelsblatt“ gemeinsam mit der Investmentbank Goldman Sachs auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis auslobt. Eine Ehrung erfährt derjenige AutorIN, der das Thema Wirtschaft in beispielhafter Weise vermitteln kann. Dabei wird auf die verständliche Sprache geachtet und das ökonomische Zusammenhänge für ein breites Publikum nahe gebracht wird. Dotiert ist die Auszeichnung mit einem Betrag von 10.000 Euro. Das diesjährige Motto lautet: „Wirtschaft verstehen“. Der Sieger wird am 15. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse gekürt.
Es bleibt spannend! Wir werden sehen, ob Martin Walkers Roman „Germany 2064“ schon in Deutschland 2015 den Preis erhält. Es wäre eine Sensation, die dem Autor zu gönnen ist.
Der Kriminalroman von Michael O. Güsten trägt denselben Buch-Titel: Der Tausendfüßler
Wir benutzen ja alle die gleichen Buchstaben und nutzen das deutsche Alphabet von A-Z. Dabei setzen wir die gleichen oder eben auch ganz unterschiedlichen Wörter zusammen, kreieren mitunter auch Neue, aber immer so, dass wir uns ausdrücken und untereinander verständigen können. Ausgehend von unserem erlernten ABC in der Grundschule hier in Deutschland, ist es uns zu eigen, dass wir somit auch unsere Geschichten erzählen, aufschreiben, … und auch publizieren können.
Wenn ein Buch den gleichen Titel trägt …
…, dann kann trotzdem eine ganz andere Geschichte dahinter stecken!
Das erfuhr ich bei einer Recherche nach diversen Buchtiteln auf der Webseite Booklooker. Durch Zufall bin ich auf einen Roman aufmerksam geworden, der den gleichen Buch-Titel trägt wie mein 2009 veröffentlichter Roman: Der Tausendfüßler. Okay, wenn man es genau nimmt, dann gibt es bei Güsten das „ss“ und bei mir das „ß“ im Tiernamen des Titels.
„Na Mensch, das ist ja spannend!“, dachte ich und begann anschließend nach dem Autor zu recherchieren. Ich wollte einfach mehr erfahren. Bei dem Buch handelte es sich um einen Kriminalroman von Michael O. Güsten aus dem Jahre 1968. Der Autorenname „Michael O. Güsten“ steht als Pseudonym für Alfred Antkowiak, der ein deutscher Verlagslektor und Schriftsteller aus der DDR war. Konnte ich relativ schnell bei Wikipedia in Erfahrung bringen. Erschienen ist das Buch beim „Mitteldeutscher Verlag Halle„.
Einen Klappentext hatte ich jedoch ad hoc nicht gefunden. Aber der Umstand, das ein Buch den gleichen Buchtitel trug wie mein Liebesroman, fand ich schon skurril. Ich wollte mehr über den Text erfahren. Neugierig wie ich war, und da ich sowieso gern Krimis lese, habe ich nicht lange gezögert und auch gleich online das Buche im AntiquariatAn der Nikolaikirche in Leipzig bestellt. Der Buchpreis des anderen „Tausendfüßlers“ gestaltet sich zudem noch moderat.
Und so sieht das Cover des Romans im Vergleich zu meinem „Tausendfüßler“ aus:
Cover der Romane Der Tausendfüßler von Michael O. Güsten & Jens Böhme
Den Titel zu meinem Roman „Der Tausendfüßler“ hatte ich mir völlig unabhängig gewählt, ohne das Wissen, das schon ein Roman mit dieser Aufschrift existiert. In meinem Blog hatte ich zum Buch-Titel schon einmal einen Artikel dazu geschrieben:
Als das Buch dann in Berlin ankam, war ich voller Freude und habe mir als allererstes den Klappentext vorgenommen. Er klang ganz interessant, aber ob die Geschichte mich nun wirklich vom Hocker haut, werde ich erst nach der Lektüre wissen.
(Nachtrag 20.03.2025: Ich kann heute sagen, dass mir die Geschichte von Michael O. Güsten richtig Spaß gemacht hat zu lesen. Es gibt sogar noch einen Folge-Krimi, den ich mir auch bestellt und den ich gelesen habe. – „Die Liga der gelben Rose“)
„Der Tausendfüßler“ als Anlageobjekt?
Lustig! Und das muss ich noch erwähnen, wurde es dann noch zu nächtlicher Stunde, als ich etwas später Folgendes entdeckte. Mein Roman in einer unheimlichen Wertsteigerung vom normalen Bezugspreis von 11,80 EUR z. B. bei Amazon bis zu 199 EUR. Bei Booklooker hätte der Leser für ein Exemplar so viel an Geld hinblättern müssen. Okay, hier sollte der Leser kurz inne halten und überlegen, ob sich nicht die Investition in ein Exemplar lohnt?
falsches Coverbild „Der Tausendfüßler“ bei booklooker.de
Natürlich weiß ich bzw. kann ich mir vorstellen, dass es sich hier sicherlich um ein automatisiertes Versehen bei der Preisgestaltung handelt. Ich nehme es mit Humor und sagte mir auch hier wieder: Diesen Fakt musst Du einfach bringen! Gesagt, getan – auch diese Begebenheit zur Story und zum Thema Buchtitel „Der Tausendfüßler“ findet hier Anklang. Und ich schwöre, hier ist nichts gephotoshopt – nur schnell ein Screenshot gemacht und fertig!
Eins noch zum Ende: Als Allerletztes sei hier noch kurz das Buch „Der Tausendfüßler – Heimat- und Sachunterricht 2. Schuljahr“ erwähnt. Auch diesen Buchtitel gibt es. Bei genauerer Recherche erkennt man jedoch, dass bei diesem Beispiel schon ein Untertitel auf dem Cover existiert, der von Schuljahr zu Schuljahr variiert. Jedenfalls auch hier ein neuer Namensvetter, gegebenenfalls entfernter Verwandter und nunmehr der Drilling in dieser Coverrunde.
Solltet Ihr – Werte Leser! – Weitere Bücher mit diesem Buch-Titel finden, dann einfach einmal posten. Ich bin gespannt …
Der Dichter Gotthold Ephraim Lessing (22. Januar 1729 in Kamenz, Markgraftum Oberlausitz; † 15. Februar 1781 in Braunschweig) ist einer der bedeutendsten Dichter und Dramatiker der deutschen Aufklärung. Den meisten sicherlich bekannt aus dem Schulunterricht durch das Drama „Nathan der Weise“ und der darin vorkommenden Ringparabel.
Nach einem Besuch der Nikolaifestspiele entstanden folgende Bilder vom Lessinghaus in Berlin, einem rekonstruierten Bürgerhaus und einer der Sehenswürdigkeiten im Berliner Nikolaiviertel:
Erläuterungstafel zu Lessing an einem Haus im Berliner Nikolaiviertel
Tafelinschrift: Hier stand das Haus in dem LESSING 1765 MINNA von BARNHELM beendete – Die Stadt Berlin 1913
Seitenansicht des Lessinghauses im Berliner Nikolaiviertel
Vor dem Lessinghaus im Nikolaiviertel. Das Viertel befindet sich im mittelalterlichen Stadtkern Berlins. Der deutsche Dichter Lessing wohnte hier von 1752 bis 1775.
Eine Erzählung von Kurt Tucholsky besitzt den Titel „Rheinsberg – Ein Bilderbuch für Verliebte“ kurz: Rheinsberg. Mit diesem Text trat Tucholsky an die literarische Öffentlichkeit. Bisher nur als Publizist bekannt, vor allem unter seinen berühmten Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.
Kleiner Reisetipp in Berlins Umgebung
Schloss Rheinsberg
Und weil wir gerade auf dem Weg vom Schloss-Hotel Gross Plasten nach Berlin waren und Zeit hatten, kam es letztes Jahr im Sommer zu einem kurzen Abstecher zu eben diesem berühmten Schloss in Rheinsberg. Nach einem Bummel durch das Schloss und die Umgebung war natürlich für mich Pflicht auch dem Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum einen Besuch abzustatten, wo Kurt Tucholskys Leben und Wirken ausführlich dokumentiert wird. So kaufte ich mir anschließend im Shop das Taschenbuch aus der Fischer Edition Schloss Gripsholm – Rheinsberg von Kurt Tucholsky und genoss die Lektüre. Ich begann nebenbei mir lustige, interessante und bissige Zitate zu notieren.
Alle hier aufgeführten Zitate stammen aus: Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm – Rheinsberg, Fischer Taschenbuch Verlag, 2008.
„Ei ist Ei, sagte jener – und nahm das größte.“ (Seite 56)
„[…] ach du liebes Gottchen, behüte unser Lottchen, vor dem Hunger, Not und Sturm und vor dem bösen Hosenwurm. Amen.“ (Seite 25)
“Man kann den Hintern schminken, wie man will”, sagte Karlchen, „es wird kein ordentliches Gesicht daraus.“ (Seite 82)
„Ich lege meine Hand hinüber, auf die Schlafende. Sie seufzte leise und veränderte ihre Lage. Schön ist Beisammensein. Die Haut friert nicht. Alles ist leise und gut. Das Herz schlägt ruhig. Gute Nacht, Prinzessin.“ (Seite 37)
„Zwischen Bett und Tür überlegte ich, wie es doch zwischen Mann und Frau Morgen-Augenblicke gibt, da hat es sich mit der Liebe ausgeliebt. Sehr entscheidende Augenblicke – wenn die gut verlaufen, dann geht alles gut.“ (Seite 41)
„[…] Wie weit ist es von einem Mann zu einer Frau! Aber das ist schön, in eine Frau wie in ein Meer zu tauchen. Nicht denken … Viele von ihnen haben Brillen auf, sie haben es im eigentlichen Sinne des Wortes verlernt, Frau zu sein – und haben nur noch den dünnen Charme. Hol ihn der Teufel. Ja, wir wollen wohl ein bißchen viel: kluge Gespräche und Logik und gutes Aussehen und ein bißchen Treue und dann dieser nie zu unterdrückende Wunsch, von der Frau wie ein Beefsteak gefressen zu werden, daß die Kinnbacken krachen … […]“ (Seite 26)
„Whiskey macht sorgenfrei. Ich kann mir schon denken, daß sich damit einer zu Grunde richtet.“ (Seite 56)
„Die Stille wölbte sich über uns wie eine unendliche Kugel. In diesem Augenblick war jeder ganz allein, sie saß auf ihrem Frauenstern, und ich auf einem Männerplaneten. Nicht feindselig … aber weit, weit von einander fort.“ (Seite 61)
„Man denkt oft, die Liebe sei stärker als die Zeit. Aber immer ist die Zeit stärker als die Liebe.“ (Seite 67)
„Wenn einer nichts zu tun hat, dann holt er die anderen, und dann machen sie eine Konferenz.“ (Seite 87)
„Wer seine Braut zu seinem Weibe macht“, sagte Karlchen, „der soll auch sein Weib zu seiner Braut machen!“ (Seite 74)
„[…] Peter! Peter! Wie ist es mit dem Leben! Erzähl schnell, wie es mit dem Leben ist! Nein, jetzt sage nicht wieder deine unanständigen Wörter … die weiß ich allein. Wie ist es? Jetzt gleich will ich es wissen!“ – Ich so den bitteren Geschmack aus einem trockenen Zweig mit Fichtennadeln. „Erst habe ich gemerkt“, sagte ich, „wie es ist. Und dann habe ich verstanden, warum es so ist – und dann habe ich begriffen, warum es nicht anderes sein kann. Und doch möchte ich, daß es anders wird. Es ist eine Frage der Kraft. Wenn man sich selber treu bleibt …“ (Seite 44)
Zu guter Letzt eine Ansage als Zitat im Roman über Berlin:
„Immer ist etwas. Immer klopfen sie, oder sie machen Musik, immer bellt ein Hund, marschiert jemand über deiner Wohnung auf dem Kopf herum, klappen Fenster, schrillt ein Telephon – Gott schenke uns Augenlider.“ (Seite 56)
Mit Sicherheit lässt sich in diesem Text noch viel mehr entdecken, schaut einfach mal hinein oder lest die ganze Geschichte!
Weitere Zitate auf dem Literatur-Blog | Der Tausendfüßler:
Der amerikanische Autor Thomas Coraghessan Boyle fand in diesem Jahr wieder den Weg nach Berlin. Am 17. September gab er eine Lesung im Kino Babylon und stellte im Rahmen seiner Deutschland-Lesereise und natürlich passend zum Internationalen Literaturfestival Berlin 2013 seinen neuen Roman „San Miguel“ vor.
Literatur Live mit T.C.Boyle – San Miguel im Kino Babylon in Berlin
Zum Inhalt des Romans „San Miguel“
Eine einsame Insel vor der Küste von Kalifornien, die für die einen die Hölle ist, für die anderen das Paradies: Die schwindsüchtige Marantha verschlägt es 1888 nach San Miguel. Während sie sich, geplagt vom rauen Klima, von Monotonie und Einsamkeit, dem Leben entzieht, schafft es Adoptivtochter Edith, dem tyrannischen Vater und der verhassten Insel zu entfliehen. Jahrzehnte später zieht Elise Lester dorthin und findet mit ihrer Familie ihr Glück. Die Presse in den USA feiert die Lesters mitten in der Weltwirtschaftskrise als Inbild vom Mythos der Pioniere, doch die Idylle trügt. Boyle gelingt es meisterhaft, in dieser großen Saga das Schicksal dreier starker Frauen lebendig werden zu lassen. (Quelle: hanser-literaturverlage.de)
Boyles Erstlingswerk „Wassermusik“ in neuer Übersetzung
T.C.Boyle signiert San Miguel
Boyle lieferte seinen Fans wieder eine interessant-amüsante Lesung mit frischen-witzige Details aus seinem Leben als Autor. Handelt es sich im Roman von San Miguel um die Geschichte dreier Frauen, wird sein neuer Roman – den er gerade beendet hat – ein rein männlicher Roman sein, wie er betonte. Der Roman wird haarig sein, er wird archaisch und brutal sein, erklärte er. Zudem soll nächstes Jahr sein erster Roman „Wassermusik“ (1982) noch übersetzt von Werner Richter in einer neuen Übersetzung von Dirk van Gunsteren erscheinen. Die Übersetzung des Textes von San Miguel aus dem Englischen stammt ebenfalls von Dirk van Gunsteren.
Nach der Lesung nahm sich Boyle wieder Zeit bis zum letzten Fan und signierte fleißig jedes Buch, das ihm vor die Nase gesetzt wurde. Zum Thema Reise, meinte Boyle: „That’s what I think about traveling.“ und schrieb spontan Folgendes in mein Reise-Buch:
Walker, eher bekannt als Journalist, erhielt 1978 den britischen Reporter-des-Jahres-Preis. Mit seinen Romanen „Bruno Chef de Police“, „Grand Cru“, „Schwarze Diamanten“, „Delikatessen“ sowie mit dem Kriminalroman „Schatten an der Wand“ hat er sich ebenfalls als Schriftsteller einen Namen gemacht. Seine Fangemeinde wird immer größer und die Leser konnten durch die Interviewerin Shelley Kupferberg einiges Neues über das Leben des Autors und den neuen Roman „Feme Fatale“ erfahren.
Martin Walker – Lesung Kulturkaufhaus Dussmann
Martin Walker sprach in der Lesung Deutsch und betonte gleich zu Anfang, dass er 2 Jahre lang Deutsch im Gymnasium gehabt hatte. Er meinte jedoch, dass er noch viel dazu lernen müsse und wolle; vor allem neue Worte. So lautete wortwörtlich sein Einstieg: „Ich habe vor so einer Lesung immer Lampenfieber, aber …“ er fasst neben sich, „ … nach einem Glas Wein, … ich bin: Rampensau!“ Alles lachte, denn die Betonung lag auf „Rampensau“ – und er gab dem Publikum zu verstehen, dies sei wieder ein neues Wort, das er nutzte.
Herr Walker – Wie haben Sie das Périgord entdeckt?
Auf die Frage von Frau Kupferberg wie Martin Walker das Périgord entdeckt habe, erzählte er von einem Freund, der in den 80er Jahren eine Frau aus dem Périgord geheiratet hat. Die Inspiration zum Roman und zur Figur Bruno Courrèges selbst ereilte Martin Walker wiederum im Tennisclub vor Ort. Sein Tennispartner, gleichzeitig auch der Dorfpolizist und ein Freund, war und ist für ihn eine interessante Persönlichkeit. Die Sichtweise seines Freundes, z.B. der Unterschied zwischen Gesetz und Menschlichkeit, beeindruckte ihn. Das nahm Martin Walker als Inspiration und „siehe da, ich hatte meinen Charakter“. Jedoch hat er mit seinem Bruno schon einen eigenen Charakter erschaffen, meint Walker, zumal seine „Inspiration“ doch ein wenig korpulenter ist als sein Protagonist Bruno Courrèges. Dabei lächelt Walker freundschaftlich und denkt sich vielleicht: Er möge mir diesen Vergleich verzeihen. Doch nicht nur die Figur Bruno hat reale Vorbilder. Neben ihm sind z.B. auch der Baron oder der Bürgermeister aus dem realen Leben entlehnt.
Autor Martin Walker und Kulturjournalistin Shelly Kupferberg
Herr Walker – Was lieben Sie am Périgord?
Eindeutig: „Lebensmittel, Wein, Klima und natürlich die Geschichte“, erklärt Martin Walker. Etwas in dieser Region ist seine Heimat. Vor allem sind es die Freunde … „Ich esse niemals allein. Wenn wir zusammensitzen und ich von meinem neuen Roman erzähle, den ich derzeit schreibe, dann sage ich immer meinen Freunden, dass ich von den wunderbaren Frauen und intelligenten Männern schreibe. – Wunderbar Martin, wunderbar! Mehr Wein! – erschallt es dann. Und jetzt, wo er fertig ist, können sie natürlich lesen, was ich wirklich geschrieben habe“, sagte er schmunzelnd und unkommentiert.
„Feme Fatale – Der fünfte Fall für Bruno Chef de police“
Zurzeit erscheint in Großbritannien schon der 6. Bruno-Roman (The Resistance Man. Quercus, London 2013). Hierzulande gibt es erst einmal den 5. Fall „Feme Fatal“ zu lesen.
Buchcover Diogenes – Martin Walker – Feme Fatale – Der fünfte Fall für Bruno Chef de police
Das Périgord ein Paradies für Schlemmer, Kanufahrer und Liebhaber des gemächlichen süßen Lebens. Doch im April, kurz vor Beginn der Touristensaison, stören ein höchst profitables Touristenprojekt, Satanisten und eine nackte Frauenleiche in einem Kahn die beschaulichen Ufer der Vézère. Und Bruno, den örtlichen Chef de police, stören zusätzliche höchst verwirrende Frühlingsgefühle. (Klappentext Diogenes)
Das Kulinarische in den Romanen von Martin Walker
Das Perigord – Ein kleiner Reiseführer von Martin Walker
Mit einem kleinen Mini-Reiseführer in Broschüren-Form „Das Perigord – Ein kleiner Reiseführer von Martin Walker“, der diesem Roman beiliegt, erfüllt Martin Walker den Wunsch seiner Leser, ein paar Reise-Tipps seiner Lieblingsregion dem Périgord in Frankreich zum Besten zu geben. Das ist auch typisch für den Journalisten in Martin Walker, denn er liebt es zu recherchieren. Zu jedem seiner Romane, erklärt Walker, hat er recherchiert wie z.B. zum Thema Résistance oder auch in Bezug auf die deutsche Stadt Weimar. „Ich war Journalist und muss immer recherchieren. Ich muss schreiben wie ein Journalist, meine Romane sind deshalb auch ein bisschen wie eine Dokumentation und da kommt der Journalist einfach durch.“ Es stimmt! Martin Walker war nicht nur, sondern er ist auch als Schriftsteller ein Journalist. So erfährt beispielsweise der Leser interessante Fakten auch zum kulinarischen Thema Trüffel wie im Fall von „Schwarze Diamanten“.
Buchcover: „Feme Fatale“
Auf die Frage, warum der Roman in Deutschland immer im Mai erscheint, antwortet der Autor Martin Walker erfreut: „Weil dann Spargelzeit in Deutschland ist!“ Das Publikum lacht erneut. „Es hat halt alles einen kulinarischen Hintergrund“, stellt die Interviewerin Shelly Kupferberg lächelnd fest.
Auch im 5. Teil „Feme Fatale“ des Bruno-Zyklus steht das Kulinarische wieder mit im Vordergrund. Jedes Rezept, das Bruno im Buch kocht oder kreiert, hat Martin Walker auch selbst ausprobiert, betont er. „Meine Frau sagt immer zu mir: Mit jedem Bruno-Roman hast du 2 neue Kilos.“ Er schwärmt und stellt anschließend ein neuerlich gelerntes deutsche Wort vor: Das Périgord ist so etwas wie … mein Schlaraffenland.
Sämtliche bisher erschienen Romane des Bruno-Zyklus des Autors Martin Walker:
Hellmuth Karasek stellt sein neues Buch „Auf Reisen“ vor: Mit Witz
Erfahren habe ich von Karaseks Anwesenheit in Berlin Mitte durch den Vielfalter von Dussmann. Denn da schaue ich ab und zu beim Stöbern im Kulturkaufhaus hinein. Den Termin der Lesung von Hellmuth Karaseks neuem Buch „Auf Reisen – Wie ich mir Deutschland erlesen habe“ aus dem Verlagshaus Hoffmann und Campe hatte ich mir somit notiert. Ich wusste jedoch nicht, ob ich aufgrund meiner täglichen Arbeit pünktlich vor Ort sein konnte.
Am Anfang war schon das Ende in Sicht – Lesung von Hellmuth Karasek gut besucht
Buchtitel Hellmuth Karasek Auf Reisen Wie ich mir Deutschland erlesen habe
Da stand ich nun, noch vor Beginn der Lesung mit einigen anderen Literaturinteressierten vor dem Einlass und vor zwei Damen, die höflich aber konsequent uns und den Besuchern mitteilten: „Der Saal der Lesung ist voll. Aus sicherheitstechnischen Gründen können wir niemanden mehr hinein lassen, außer es kommt wieder jemand heraus. Es tut uns leid.“ Etwas enttäuscht war ich schon, aber nicht so sehr, dass ich nun schniefend wieder von dannen zog, zumal durch die vehemente Konsequenz der Buchhändlerinnen hier eine gewisse Gerechtigkeit und Ordnung im Buchstaate herrschte. Das freute mich.
Ich erkundigte mich nach dem Ende der Lesung und ob Herr Karasek signieren würde. Eine der Damen gab mir entsprechend Auskunft und ich suchte mir daraufhin innerhalb des Kaufhauses jene Ecke, wo das neue Buch des Autors zu finden war. Interessanterweise handelt sein neues Buch vom Thema Reisen. Da auch ich demnächst eine Reise vor habe, war es nur vernünftig, dass ich da blieb und ich mich durch seine Lektüre inspirieren ließ. Ich las hier und da ein paar Passagen und genoss die Anekdoten und Erzählweise. Vertiefte mich derart, dass schnell eine halbe Stunde im Nu verflog.
Der Witz am Ende – Das vorzeitige Ende der Lesung, war erst der Anfang
Hellmuth Karasek Signierstunde in Berlin
Zurück zum Leseareal gelaufen, fiel mir auf, dass plötzlich kein Mensch mehr auf Einlass wartete und die Lesung noch lange nicht zu Ende war. Bevor ich etwas sagen konnte, teilte eine der beiden Damen mir mit: „Sie können gern eintreten.“ So kam ich dann doch noch in den Genuss der Lesung von Hellmuth Karasek. Ich setzte mich und empfand die witzige Leseart, die der Autor darbot, als spannend und amüsant. Der bekannte Literaturkritiker, der einst zusammen mit Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler und einem wechselndem Teilnehmer (ab 1990) im ZDF in der Sendung „Das Literarischen Quartett“ Bücher besprach, schaffte es sein Publikum auf intelligente Art und Weise sprachvirtuos in den Bann zu ziehen. Ich erlebte somit die Geschichte, dass Karasek im Zug mit Günter Grass verwechselt wurde, fast hautnah. Weiterhin erhielt ich einen Vergleich, was der Unterschied ist, das letzte Kapitel von Karaseks neuen Buches „Auf Reisen“ in einer stillen Ecke zu lesen und gleich anschließend dieses live vorgelesen zu bekommen. Das letzte Kapitel seines Buches handelte von Signierstunden nach der Lesung. Witzigerweise befand ich mich gerade annähernd in einer „Das Drama im Drama“-Situation. Denn der Autor, wie auch das Publikum, dem ich zugehörig war, standen ebenfalls kurz vor der gerade beschriebenen Signierstunde. Einfach komisch: Denn die zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgte Geschichte würde sich gleich aufs Neue, sicherlich mit gleichen Nuancen, in der Realität wieder finden!
Herr Karasek erzählt ein Witz
Es lohnt sich, mit Herrn Karasek und seiner lockeren-witzigen Art auf Reisen zu gehen und der Stimme in seiner Lesung zu folgen. Dies gipfelte dann letztendlich in seinem Angebot an das Publikum als Zusatz 3 Witze zu erzählen. Einer davon gefiel mir derart, sodass ich aus dem Lachen nicht mehr heraus kam. Da ich diesen nun selbst schon 2 Mal erzählt habe und er sich in mir manifestiert hat, möchte ich ihn hier einfach mal paraphrasieren:
Treffen sich zwei Männer.
Sagt der eine zum anderen: „Du bist aber auch ein bisschen dicker geworden.“
Erwidert der andere:
„Nun ja, wie das so ist. Sonntagabend. Schaust Tatort, danach vielleicht noch den Jauch. Meistens gehe ich danach ins Bett. Meine Frau liegt schon drin und ich mach das Licht aus. Dann fass ich sie an und sie erschrickt sich immer und sagt: ‘Is was!?!‘ … und dann … dann geh ich eben zum Kühlschrank.“
Diesen Witz hat Hellmuth Karasek auf der Lesung erzählt.
Herr Karasek signiert mein Reisetagebuch
Reise-Tagebuch Jens Böhme mit Widmung von Hellmuth Karasek
Wie im letzten Kapitel seines Buches „Auf Reisen – Wie ich mir Deutschland erlesen habe“ stand ich nun als einer der letzten aus dem Publikum vor ihm. Ließ mir sein neues Buch signieren und auch gleich noch „Auf der Flucht. Erinnerungen“ und bat Hellmuth Karasek spontan – denn ich hatte das eigene Reisetagebuch an diesem Tag glücklicherweise dabei und wenige Tage zuvor gekauft – mein Blanko-Reisetagebuch für die geplante USA-Reise ebenfalls noch zu signieren. Eine persönliche Widmung für Jens Böhme! Sozusagen ein schriftlicher Anfang einer anderen Reise als jene von Karasek. Ein Buch zu meiner Reise und meiner hoffentlich reichhaltigen Reise-Notizen. Es soll ein inspirierender Aufhänger sein, von dem was dann „im Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ folgt.
Ein Gruß, eine Art Vorwort von Schreiberling zu Schreiberling.
Er schrieb auf die 5. Seite des Reise-Tagebuches:
Kreative Reisegrüße
und viele interessante Entdeckungen
und Begegnungen
und Erlebnisse
wünscht
Hellmuth Karasek
März 2013
Als er so schrieb, kam mir der Gedanke. Was würde wohl der Literaturkritiker Herr Karasek zu meinem Roman „Der Tausendfüßler“ sagen? Leider hatte ich kein Exemplar dabei und werde es wohl nie erfahren …
Seine Widmung und sein Buch gehen jedoch demnächst mit mir auf Reisen. Somit kann ich am Ende wahrlich reimhaft sagen:
Ernest Hemingway war 2003 mein Begleiter in Cuba. Okay, nicht persönlich, aber in Form des Buches „Haben und Nichthaben“ wandelte ich auf seinen Spuren in Havanna. Da lag es nicht fern, dass auch die Bar El Floridita kennen lernte. Und wo diese zu finden ist, ist auch die Bar La Bodegita Del Medio nicht weit davon entfernt.
My mojito in La Bodeguita – My daiquiri in El Floridita
T-Shirt Applikation Floridita Cuba
Getreu nach Hemigways Spruch „My mojito in La Bodeguita – My daiquiri in El Floridita“ habe ich allerhand in Havanna erlebt und diese Zeit in Cuba bleibt für mich einfach unvergesslich und äußerst prägend. Havanna, ist eine bezaubernde Stadt voller Musik, Tanz, Zigarren & Rum sowie sichtbarer Armut und dem Verfall preisgegebenen Häusern. Die Hauptstadt Cubas gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und das ist richtig so. Wer als Tourist, hochpolierte Bauten erwartet, ist hier falsch. In dieser Stadt ist die Zeit stehen geblieben, bröckelnde Fassaden in den das wahre Leben Cubas existiert und alte Autos gehören zum Stadtbild und … die karibische Temperaturen und dessen Flair in die Seele der Menschen – Hitze pur! Übrig geblieben von dieser Reise sind allerlei Erinnerungen, Fotos und diverse Mitbringsel sowie ein T-Shirt mit Hemingway-Motiv aus dem Restaurant & der Bar El Floridita.
10 Jahre ist es mittlerweile her, dass ich durch Cuba gereist bin und in den 10 Jahren habe ich das T-Shirt mit dem Hemingway-Motiv all zu gern getragen, bis es die letzten Jahre nur noch als Schlaf-T-Shirt fungierte. Es mir quasi: vom Leibe fiel. In der Öffentlichkeit tragen, konnte ich das Shirt nicht mehr. An manchen Stellen war es voller Löcher, ausgewaschen war es und ausgedehnt. Nur noch selten habe ich es benutzt, da es mir einfach zu schade war und ich es so lange wie möglich erhalten wollte. Dann erfuhr ich dieses Jahr vom Änderungsatelier „Bis es mir vom Leibe fällt“ in den Hackeschen Höfen in Berlin. „Hey Jens, hier kannst du doch dein T-Shirt wieder aufpolieren lassen“, wurde mir vorgeschlagen. „Die Designer machen da auch was völlig Neues draus, wenn du willst.“ Wie jetzt? Echt? Ich brauchte eine Nacht und mein Entschluss stand fest. Ich mach das einfach mal und probiere es aus. Vielleicht können die von „BIS ES MIR VOM LEIBE FÄLLT“ mein T-Shirt oder zumindest Hemingways Geist und meine Erinnerungen in Form meines Hemingway-T-Shirts an meine Zeit in Cuba retten?
Veränderungsatelier Bis-es-mir-vom-Leibe-fällt erhält den Bundespreis ECODESIGN 2012
Also begab ich mich Ende Oktober zu den Hackeschen Höfen und gab mein T-Shirt in vertrauensvolle Hände. Zuvor habe ich mir noch ein weises T-Shirt von Esprit gekauft, denn ein Grundgerüst von einem Kleidungstück wurde zur Verarbeitung benötigt. Welche Größe, Form und Farbe war mir selbst überlassen und da die Esprit-T-Shirts meiner Meinung nach am besten von allen die ich je probiert habe am Körper passen, habe ich mich für ein solches Blanko-Shirt entschieden. Nach einer Beratung und meinen schon vor sinnierten Wünschen erlangte ich mit der Designerin einen interessanten Kompromiss wie das neue T-Shirt – ein solches sollte es auch wieder sein – aussehen könnte. Die Anzahlung von etwas über 30 EURO habe ich sofort getätigt. Ein fairer Preis für ein T-Shirt, wenn ich überlege, dass ich ein Unikat in den Händen halten werde und mein Ernest Hemingway T-Shirt wieder tragbar ist. Vom heutigen Zeitpunkt aus wissentlich, dass das Veränderungsatelier Bis-es-mir-vom-Leibe-fällt sogar den Bundespreis ECODESIGN 2012 erhielt, war es die richtige Entscheidung.
T-Shirt mit Ernest Hemingway Motiv und El Floridita Applikation
Nach knapp 2 Wochen hatte ich mein T-Shirt mit neuem-alten Hemingway-Motiv wieder. Wie vereinbart wurde die Hauptapplikation ausgeschnitten, mit einem Hilfsstoff verbunden, da es schon sehr abgetragen und demzufolge dünn geworden war, und beides zusammen fest und sicher auf die Vorderseite genäht. Eine stylische Naht mit schwarzem Zwirn umrandete nun das Motiv. Auf den rechten kurzen Ärmel ließ ich mir in gleicher Verarbeitung das Emblem der Bar El Floridita nähen, sodass alle Applikationen gerettet wurden.
Hemingway ist tot, es lebe Hemingway!
Hemingway T-Shirt
Mein T-Shirt ist wieder tragbar und sieht echt tipptopp aus. Im Freundeskreis und bei den Kollegen auf Arbeit habe ich mit stolzgeschwellter T-Shirt-Brust davon erzählt und kann wahrhaftig behaupten: „vereinzigarten“ und umgestalten, das funktioniert bei den Designern von „Bis es mir vom Leibe fällt“.
Helmut Kraussers neuer Roman „Nicht ganz schlechte Menschen“ handelt von einem Zwillingspaar, das gegensätzlicher nicht hätte sein können. Obwohl, wie Krausser nach der Lesung erklärt, beide Protagonisten alle Chancen, Möglichkeiten und Voraussetzungen in gleicher Art und Weise haben, entwickeln sie sich in unterschiedliche Richtungen. Genau darum geht es Krausser, „die Welten zweier Brüder zu schildern, die vom Genpool, vom sozialen Hintergrund nicht gleicher hätten sein können, sich aber doch beide auf so unterschiedlicher Art und Weise entwickeln.“ Mit Helmut Kraussers neuem Roman, erschienen im DuMont Bucherlag, taucht der Leser ab in die dreißiger Jahre, nach Berlin, nach Paris und Barcelona. „Alltag und Abgründe einer Epoche“, heißt es auf dem Schutzumschlag und wer Kraussers Romane kennt, weiß, dass der Autor von „Einsamkeit, Sex und Mitleid“ oder „Die Kartongeschichte“ nichts auslässt und es hier thematisch direkt in den Alltag, aber insbesondere auch ins Fleischliche, ins Triebhafte geht.
Lesung in der Buchhandlung Stadtlichter in Berlin Kreuzberg
Buchhandlung Stadtlichter in Berlin Kreuzberg
Die kleine aber feine – Buchhandlung Stadtlichter – auf der Bürknerstrasse 1 nahe dem Maybachufer in Kreuzberg hatte zur Buchpremiere am 15.09.2012 von „Nicht ganz schlechte Menschen“ geladen. Karten waren rar und schnell weg, da schließlich anders als bei den „großen Ketten“ nur begrenzter Platz zur Verfügung stand. Kurz vor 20 Uhr traf der Schriftsteller Helmut Krausser ein und dann ging es auch schon los. Er setze sich in Front vors Mikrofon, würde ca. 50 Minuten lesen und stünde anschließend für Fragen und das Signieren der Bücher bereit. Genauso gestaltete sich die Lesung auch. Sein Schreibstil ist intellektuell und detailreich und seine Lesestimme sowie der Rhythmus passten zur Atmosphäre in der Buchhandlung, um die Geschichte hörbar zu formen. Ein zwei Unterbrechungen gab es von nachfolgenden Besuchern, die das Publikum mit einem Schmunzeln wahrnahm und der Autor selbst mit galanter Gelassenheit; zumindest wirkte es so.
Interessantes zur Entstehung des Romans
Nach der Lesung kam es dann zu Fragen und dabei erläuterte Helmut Krausser auch wie es zur Entstehung des Romans kam. Eine Frage lautete:
Wie entstand der Roman?
Nicht ganz schlechte Menschen – Roman von Helmut Krausser – Eintrittskarte der Buchpremiere
Krausser antwortete, dass für ihn das Thema schon Mitte der 90er Jahre aktuell war. „Ich wollte eigentlich keine Romane schreiben, die so viele Seiten haben.“ Aber, der grobe Plan kam dann eigentlich mit einem Gedicht. Mit einem Gedicht hat alles angefangen, betonte er. Dieses Gedicht hatte ihn derart inspiriert, dass Krausser sich gleichzeitig die Frage stellte, was wohl aus ihm in den 30er Jahren geworden wäre. „Irgendetwas Rotes oder Braunes“, konstatierte er. „Was ich geworden wäre, das hätte dann sicherlich die Lektüre entschieden.“ Später traf er dann auf der Buchmesse in Paris 2001 Elodie Bouchard, die Tochter von Luc Bouchard. Und dieser gab an den jüdischen Attentäter Herschel Grünspan persönlich gekannt zu haben. (Herschel verübte 1938 in Paris ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath. Dieser erlag 2 Tage später seinen Verletzungen und die Tat diente dem nationalsozialistischen Regime als Vorwand für die antijüdischen Novemberpogrome 1938. Quelle: wikipedi.de) Beim Gespräch mit Luc Bouchard erfuhr er so einiges „[…] über ein anrüchiges Hotel, von seinem Elsässer Chef, von zwei deutschen Brüdern, die Max und Karl geheißen hätten, […]“.* Auch wenn Krausser von diesen beiden Brüdern nichts weiter als dieser Fakt bekannt war, fand er dies hochinteressant und so „… hatte ich einen Matrix-Filmstoff“. Er gibt zudem an, dass beide Charaktere zum Teil auch Projektionen seiner unterschiedlichen Lebensphasen sind. Außerdem hat sich Krausser sehr bei Kollegen bedankt, vor allem bei George Orwell und dessen Erfahrungen an der Front von Huesca.
Weiterhin interessant am Roman von „Nicht ganz schlechte Menschen“ ist, dass es Abschnitte gibt, die in einer anderen Schriftart dargestellt sind; so genannte geschichtliche Infoblöcke. Dies hat den Grund, dass der Schriftsteller Helmut Krausser nicht mit dem Thema Nationalsozialismus langweilen wollte. Wer will kann diese Infoblöcke quasi überspringen. „Für den ‚belesenen Leser‘ habe ich versucht auch Kleinigkeiten, also bestimmte Details über diese Zeit zusammen zu tragen wie z.B. das es im Juni zwischen der SA und der Polizei eine bestimmte Schlacht gab oder dass im März 33 preußische Schüler, die nicht mehr versetzt werden konnten, doch noch versetzt werden konnten, wenn sie der Hitlerjugend beitraten.“ Der Leser kann also gespannt auf weitere Details im Roman sein und sich geradeweg mit dem Zwillingspaar Max und Karl auf die Reise zweier Leben begeben, die trotz aller Gleichheit letztendlich doch sehr unterschiedlich sein wird.
Es folgen …
Interview-Fragen aus dem Publikum am Ende der Buchpremiere
Arbeiten Sie an mehreren Büchern gleichzeitig oder nur an einem?
Helmut Krausser: Ich arbeite stets an mehreren, aber leidenschaftlich nur an einem. Manche Themen verschwinden, andere Themen brauchen, um sich zu konkretisieren.
Schreiben Sie eigentlich täglich?
Helmut Krausser: Diesen Sommer ehrlich gesagt noch gar nichts Großes. Ansonsten schreibe ich von Mitternacht bis 2 Uhr.
Was ist Ihr Hauptantrieb zu schreiben?
Helmut Krausser: Geld und Frauen. (spontane Antwort, lacht) Scherz bei Seite. Ich musste früher viele Hausaufgaben machen, musste viel sitzen und auch viel schreiben und irgendwie hat sich das so fortgesetzt und ist zur Sucht geworden.
Haben Sie auch Protagonistinnen?
Helmut Krausser: (überlegt kurz) Ja, doch … die ‚Kartongeschichte‘, da ist eine Protagonistin. Außerdem im Roman ‚Die letzten schönen Tage‘. Okay dies ist jetzt eher eine Dreiergeschichte, also drei Protagonisten kann man sagen. Aber, da spielt auch eine Protagonistin mit. (kurze Pause) Dreiergeschichte, ich stehe auf Dreier-Kombinationen!
* Helmut Krausser: Nicht ganz schlechte Menschen, Nachbemerkung S. 575, DuMont Bucherlag 2012.
Nun ist sie vorbei, die Lesereise des Pop-Titanen der amerikanischen Literatur T.C.Boyle.
„Wenn das Schlachten vorbei ist“, ist Boyles neuester Roman. Dafür und „weil es mal wieder Zeit war“ (würde der Fan jetzt sagen) reiste Boyle 2012 durch Europa und stellte in seinen Lesungen die Thematik des Buches und sich selbst vor.
T.C.Boyle in Berlin – Volksbühne Berlin
Ich war live vor Ort auf der Lesung von Thomas Coraghessan Boyle in Berlin in der Volksbühne. Wer in Berlin dabei war oder eine der anderen Lesungen von ihm besucht hat, weiß, dass es immer eine fabelhafte Show mit ihm ist. Äußerst gut besucht von Fans beider Geschlechter und immer im Wechsel auf Englisch und – hierzulande – auf Deutsch durch einen Moderator. In Berlin fehlte dieser Wechsel leider, die Übersetzungen für das deutschsprachige Publikum lies arg zu wünschen übrig. Die Lesung war trotzdem sehr sehens- und hörenswert. Überraschend und interessant war dieses Mal der dritte Punkt im Triangel der Übersetzung. Auf der Bühne befanden sich zusätzlich Dolmetscher für Gehörlose, die den rezitierten Text sowie das Interview in der Gebärdensprache übersetzen. Zurückzuführen ist diese Besonderheit auf den Roman TALK TALK von Boyle aus dem Jahr 2006, wo er diese Thematik literarisch spannend verarbeitete.
T.C.Boyle Eintrittskarte Volksbühe Berlin – Wenn das Schlachten vorbei ist – Lesereise von 2012
Ein neuer Roman von Boyle ist schon wieder in Produktion
Während die Fans von T.C.Boyle noch am Lesen des neuen Romans „Wenn das Schlachten vorbei ist“ sind, ist ein weiterer Roman schon längst abgeschlossen, in Produktion und in Englisch erhältlich. Die Rede ist von „San Miguel“. Mit der Lektüre von „San Miguel“ auf Deutsch muss sich das Publikum hierzulande noch bis nächstes Jahr gedulden. Aber – Gott sei Dank! – haben wir ja für dieses Jahr aus der Boylschen Feder den Roman „Wenn das Schlachten vorbei ist“ erst einmal zu lesen. Obwohl: Wenn der Roman verspricht, was Pressestimmen behaupten und bei dem was ich bei meinen bisher ersten 150 Seiten gelesen habe, dann ist das Lesevergnügen sicherlich nur kurz. Zu schnell liest sich aus Neugier, Spannung und stilistischem Lesegenus T.C.Boyles neuer Roman „Wenn das Schlachten vorbei ist“.
„Darf man Tausende profane Organismen töten, nur um ein seltenes Tier vor dem Aussterben zu retten? Im neuen Roman des Autors T. C. Boyle geht es um die Frage, wie weit der Mensch beim Naturschutz gehen darf. Eine Kritik.“
T. C. Boyle ist für seine literarische Liebe zu Umweltaktivisten, Marihuana und Hippies berühmt geworden. Wenn er die Bühne betritt, ist der Jubel groß.
Er gehört zu den absoluter Vielschreibern seines Fachs, denn fast jedes Jahr publiziert der US-amerikanische Kultautor T. C. Boyle einen Roman oder eine Sammlung von Kurzgeschichten. …
von Christine Scheucher 02.05.2012
blick.ch
Bestseller-Autor T.C Boyle im Interview – «Beim Schreiben werde ich high»
Der schrägste Pop-Literat der Welt ist 63 Jahre alt, kämpft gegen den Sex und wäre gern wieder ein Baby.