Ach, schau mal, den kennst Du doch!“ Dachte ich mir. „Der spielt doch den Tatort Kommissar Faber.“ Als ich letztes Jahr Jörg Hartmann in der Mox sah und mich an seine Auftritte im Dortmunder Tatort erinnerte, wusste ich, welches Weihnachtsgeschenk ich meiner Mutter und natürlich auch mir machen konnte.
Eine Lesung mit dem Schauspieler Jörg Hartmann zu seinem autobiografischer Roman „Der Lärm des Lebens„.
Meine Mutter, nunmehr 80 Jahre, würde sich darüber besonderes freuen! Und ja! Während der Lesung meinte Hartmann zurecht: „Den Faber, den, so dachte ich mir damals als ich den Tatort anfing, den mache ich so ca. 5 Jahre, sonst bekommt ich diesen Stempel. Na ja, vielleicht hab ich den schon. Egal.“
Vorab kann ich aus meiner Sicht sagen: Ja, den hat er, der Herr Hartmann – sagen wir einmal: ein kleines Stück vom Stempel. Wer aber die Lesung von Jörg Hartmann besucht, der lernt – auf der Lesebühne mit seiner Biografie und seinen persönlichen Geschichten – Jörg Hartmann den Menschen kennen. Ja, der Zuschauer erkennt den Schauspieler, aber der Stempel ist weg.
Klar, er kann schauspielern, der Herr Hartmann. Dies kam auch bei seiner Lesung einzelner Abschnitte aus seinem Buch sehr gut zur Geltung. Die Menschen von denen er erzählte und deren Charaktere traten aus dem Buch deutlich während des Lesens hervor, skizzierten sich regelrecht vor meinem geistigen Auge. Alles mit Hilfe des tonalem und mimischen Könnens von Schauspieler und Autor Jörg Hartmann.
Wie zu Anfang der Lesung, als das Licht ausging, die Anmoderation schon sagte:
„Herr Hartmann ist mehr als ‚Der Faber‘, er ist vor allem ein humorvoller und liebevoller Mensch.“
Oh, ja, das ist er!

Das Buch im Corona-Lockdown geschrieben
Sein Buch hat er im Lockdown 2020 geschrieben. Als alles herunter gefahren wurde – auch die Kunst. Dabei hat er ebenso über die Kunstschaffenden und den Sinn der Kunst im Lockdown gesprochen. Zoom-Meetings wurden anberaumt, das war aber nicht sein Ding, betonte er. Dabei sinnierte er über den Versuch Theater über das Internet zu etablieren sowie die Kunst im Allgemeinen.
„Theater auf digitaler Ebene ist für mich völlig absurd!“
„Ihr kriegt die Kunst nicht klein! Nein! Wir können doch nicht ständig dem Konsum hinterherhecheln!“
Es war ein Versuch, Theater über das Internet den Menschen zugänglich zu machen, aber aus seiner Sicht nicht das, was Theater ausmacht. Nämlich der direkte Kontakt mit dem Publikum. Diesen zeigte Hartmann selbst bei der Lesung in Oldenburg auch freudig, leidenschaftlich und humorvoll. Er nahm sich Zeit und interagierte ab und an mit den Zuschauern. Ich fand gut, dass er die Fragen oder Antworten aus dem Publikum wiederholte, so dass alle den Dialog Autor und sprechenden Zuschauer im Publikum mitbekamen.
Als Schriftsteller ist man ein freier Mensch
Als „Schreiber“, so sagte er, hat er sich frei gefühlt. Beim Film ist das nicht so. Da sagt einer einem ständig was man tun soll oder es gibt recht enge Korsetts. „Als Schreiber ist man sehr sein eigener Herr! Und darf die weißen Blätter füllen. Alles kann man machen, bis am Ende irgendwann der Lektor kommt. Gut, der sagt einem dann, was vielleicht nicht so passt oder wohl besser ist.“
„Als Schreiber ist man sehr sein eigener Herr! Und darf die weißen Blätter füllen.“
Jörg Hartmann

In seinem autobiografischen Roman erzählt Jörg Hartmann von seiner Familie und insbesondere von seinem Vater, der im Alter Demenz bekommen hat. Er bedauert es zu tiefst, dass mit ihm und seiner Demenz viele Geschichten gegangen sind. „Hätte ich nur mal eher gefragt“, sagte er auf der Bühne zu sich selbst.
„Schauspieler Jörg Hartmann stellt sich und seine Biografie „Der Lärm des Lebens“ vor“ weiterlesen