Tahara – Emanuel Bergmann – Was zählt denn wirklich im Leben?

  1. Buch-Tipp: Tahara – Emanuel Bergmann (Diogens Verlag)
    1. „If it’s not happy, it’s not the end.“
  2. Was wirklich im Leben zählt? Ein Roman wie Tahara stellt dem Leser diese Frage
  3. Viel Alkohol – zu viel Alkohol
    1. Kleiner Buchtipp am Rande: Dashiell Hammett „Der dünne Mann“
  4. Ein Rätsel für einen Lektor – Finde den Fehler
  5. Ach ja: „If it’s not happy, it’s not the end.“

Buch-Tipp: Tahara – Emanuel Bergmann (Diogens Verlag)

Was als unterhaltsamer Roman im Rummel um die Filmfestspiele in Cannes beginnt, fokussiert sich nach nicht all zu langer Zeit doch auf Themen in denen es um Lügen, sich-selbst-belügen und andere betrügen geht und tatsächlich um essentielle Fragen, wie zum Beispiel „Warum ich?“, „Warum nicht er oder die anderen?“ und „Was zählt denn wirklich im Leben?“. – Boah, was für ein Satzkonstrukt!

Kürzer gesagt: Es geht um Lügen und ein Geheimnis.

Am Anfang des Romans holte mich der Protagonist Marcel im glamourösen Alltag der Filmwelt, der Filmfestspiele von Cannes in Südfrankreich ab. Die Geschichte und die Szenen machten mich neugierig und gern wandelte ich unter der Sonne an der Mittelmeerküste mit. Frei nach dem Motto: Mal sehen was da noch kommt? Dann lernt Marcel der Filmkritiker die Dame und andere Hauptfigur des Romans kennen: Héloïse.

„If it’s not happy, it’s not the end.“

Was als kleiner Flirt und Kennenlernen beginnt, wächst nach und nach zusammen. Immer wieder finden die beiden punktuell in den Kapiteln zueinander. Héloïse entwickelt sich zu Marcels „Femme fatale“. Das aber auf eine besondere, auf eine tragische und das Leben hinterfragende Art.

Héloïse macht Marcel frei!

Frei von Lügen, frei von seinen Gedanken. Marcels Geschichte entwickelt sich im Zusammenspiel mit Héloïse und nach und nach lüftet sich auch das Geheimnis um Héloïse selbst.

Und es tut beim Lesen weh!

Was wirklich im Leben zählt? Ein Roman wie Tahara stellt dem Leser diese Frage

Ich habe das Gefühl, dass der Roman ständig von langsam zu rasant wechselt. Was die Geschichte im Plot bei einem guten Tempo hält und süchtig nach mehr macht. Da spielen vor allem die einzelnen Szenen des sich gefundenen Paars hinein. Genau dann, wenn sie den Augenblick genießen, wenn sie miteinander reden, kehrt Ruhe ein. Genau dann, wenn die Protagonisten mit ihren Problemen zu kämpfen haben, dann wird es wiederum schneller, panischer und absolut. Einfach schneller und rasanter als ihnen lieb ist! Und als Leser bekommt man die Frage aufgetischt: Was zählt denn wirklich im Leben?

Ist es die Karriere? Ist es der Glanz des Ruhms? Ist es ein erfülltes Sexleben, sind es die Kinder? Ist es der Konsum von den Dingen, der – die – das – etc. pp., einfach alles, was im Leben wichtig erscheint? Was zählt denn nun wirklich im Leben?

Letztlich ist es der Atem und das, was einem am Leben hält und was einen am Leben lässt! – Das zählt!

Es würde auch keinen Unterschied machen, ob sie richtig oder falsch gelebt hatte. Es war bedeutungslos – sie hatte das gehabt, was einem jedem Menschen zusteht: Ein Leben.

Nicht mehr, nicht weniger.

Sie lehnte sich zurück, und eine tiefe, erschöpfte Entspannung kam über sie. Sie atmete ruhig, und sie konnte ihr Herz hören. Immerhin, noch schlug es.

Tahara, Emanuel Bergmann, Diogenes Verlag, S. 254, 2024.

Zudem ein prägender Spruch, der in Intervallen immer wieder vor das Auge des Lesers kommt:

„If it’s not happy, it’s not the end.“

Viel Alkohol – zu viel Alkohol

Ein wunderlicher Aspekt des Romans: Der Alkohol. Es ist ein Wahnsinn, was der Protagonist an alkoholische Getränken im Laufe der Geschichte zu sich nimmt. Drogenkonsum pur! Zwischendurch wird auch mal gekokst. Da fragt sich der Leser: Kann das gut gehen? Wo es „gut“ geht und wo es „schlecht“ geht, müsst ihr schon selbst lesen. Aber ganz ehrlich, wenn man alle Getränke einmal aufrechnet und das auf die Tage des Geschehens darstellt, dann ist das für einen Menschen schon extrem viel. Meines Erachtens – zu viel. Betrachtet der Leser den Alkoholkonsum des Protagonisten Marcel genauer, steht die Fragen nach der Rekonvaleszenz im Raum. Würden alle Handlungen tatsächlich alle gehen und passieren, so wie es im Roman dargestellt wird? Vermutlich nein – vermutlich ja? Ich kann es nicht ganz glauben. Aber es soll ja Menschen geben, die nur mit einem bestimmten Pegel funktionieren. Alkoholiker! Ist Marcel ein Alkoholiker? Für die Zeit in Cannes definitiv.

Nichtsdestotrotz, fragte ich mich beim Lesen des Öfteren: Wow Marcel, schon wieder ein neues alkoholisches Getränk? Nun, ich müsste mir einmal die Zeit nehmen und jeden Trink zählen. Was da wohl heraus käme? Ich habe es nicht getan. Aber genau dies wurde übrigens in der Literatur schon einmal absolviert. Irgendjemand hatte sich hier dem Thema „Alkohol in der Literatur“ angenommen. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich meine mich zu erinnern, das dies im Hörbuch „Eine kurze Geschichte der Trunkenheit: Der Homo Alcoholicus von der Steinzeit bis heute“ gelesen von Jürgen von der Lippe war. Da hatte jemand die Getränke in diversen Romanen gezählt.

Kleiner Buchtipp am Rande: Dashiell Hammett „Der dünne Mann“

Dabei soll angeblich der Roman von Dashiell HammettDer dünne Mann“ jener Roman sein, bei dem am meisten Alkohol konsumiert wird. Sollte ein Mensch tatsächlich soviel trinken, wie der Protagonist dieses Buches von Hammett zu sich nimmt, dann sollte die Lebenserwartung wahrlich nicht sehr hoch sein. Neugierig wie ich bin, hatte ich mir vor ca. 3 Jahren den Roman bestellt und bin in die alte Kriminalgeschichte aus den Jahren der amerikanischen Prohibition eingetaucht und habe die Welt der Speakeasys (Speakeasy – Flüsterkneipe, Flüsterstube) kennengelernt. Und es scheint tatsächlich ein Roman mit alkoholischem Konsum zu sein, wo Fiktionalität und Realität auseinander driften.

Ein Rätsel für einen Lektor – Finde den Fehler

Vielleicht sehe und lese ich den Druck- bzw. Tippfehler falsch? Wer jedoch die erste Seite des 46. Kapitel von Tahara aufschlägt, kann hier (sieh auch nachfolgendes Foto) einen Druckfehler entdecken.

Wo ist der Druckfehler? Das verrate ich natürlich nicht, das muss der Leser schon selbst heraus finden! Trotz Druckfehler finde ich genau diese Seite, „genau richtig“ und passend, um das Interesse auf den Roman zu wecken. Aus meiner Sicht der beste Cliffhänger, den ich hier darstellen kann und der nur eine kleine Nuance des doch abwechslungsreichen Romans darstellt. Lest die Seite: Denn dann stellt sich die Frage: Warum müssen Marcel und Héloïse fliehen?

Ach ja: „If it’s not happy, it’s not the end.“

Vielleicht hat mich der Roman gelehrt, dass man nicht alles so bitter ernst nehmen soll. Und wenn man an einem Scheideweg oder am Ende einer Geschichte steht, der oder die sich nicht gut anfühlt, dann gilt eben dieser Spruch:

„If it’s not happy, it’s not the end.“– „Wenn es nicht glücklich ist, ist es nicht das Ende.“

Literaturtipp für Erwachsene – Der Liebesroman „Der Tausendfüßler“:

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