Ein Besuch in der dänischen Geburtsstadt des berühmten Schriftstellers H. C. Andersen
Ein Familien-Urlaub in Dänemark! Genauer gesagt, verbrachten wir einige Tage der Osterferien im Center Parc Nordborg Resort auf der Insel Als (deutsch: Alsen). Somit lag es nicht fern, einen Ausflug nach Odense zu wagen. Die Stadt Odense liegt auf der Insel Fünen und ist die drittgrößte Stadt Dänemarks (mit 185.480 Einwohner – Stand 2025). Mit der Fähre in Fynshav ging es dann mit dem eigenen Auto von Insel zu Insel.
Diese dänische Stadt Odense ist vor allem bekannt für das Schaffen und Wirken des Schriftstellers Hans Christian Andersen. Den meisten Menschen dürfte er durch Märchen wie „Däumelinchen„, „Die Prinzessin auf der Erbse“ oder „Des Kaisers neue Kleider“ bekannt sein. Die Stadt Odense hat für ihren berühmten Dichter und Schriftsteller H. C. Andersen ein großes Museum zu seinen Ehren errichtet und hält sein Wirken für nachkommenden Generationen, Literaturfreunde und Kinder in Erinnerung.
- Webseite: Hans Christian Andersen-Museum



Der Schriftsteller Hans Christian Andersen war aber mehr als ein Märchenerzähler, wie ich durch den Besuch des Hans Christian Andersen-Museum erfahren durfte. Mit meiner Familie, zu fünft – Groß und Klein – besuchten wir am Donnerstag den 26. März das imposante und abwechslungsreiche Museum. Per Audio-Guide erfuhr ich, dass der Mensch H. C. Andersen ein vielseitig begabter und interessierter Mensch war. Ein Kreativer, der nicht nur Märchen sammelte und kunstvoll aufschrieb, sondern auch auf seinen Reisen kleine Bilder malte.

Ebenso zeigte das Museum in diesem Bereich, wo auch handschriftliche Manuskriptseiten ausgestellt waren, einen äußerst phantastischen Scherenschnitt, der das künstlerische Können von H. C. Andersen auf besondere Art und Weise zeigte.
Den Auto-Guide konnte sich jeder Besucher am Anfang des Rundgangs nehmen (diesen gibt es in verschiedenen Sprachen). Er kann einfach an bestimmte ausgewiesene Stellen bei vielen Exponaten oder Vitrinen und in den vielen Themenbereichen dagegen gehalten werden und eine Audiostimme erzählt etwas über den Autor Hans Christian Andersen und sein Leben. Oft ist die Information wie ein Gespräch, fast wie ein Hörspiel, arrangiert und hat – nach meiner Überraschung – meist genau die richtige Länge, um die Information aufnehmen und auch behalten zu können. Es ist wirklich eine „dramatisierte Geschichte“, wie es auf der Webseite des Museums zu lesen ist. Nicht zu kurz und nicht zu lang – wie ich fand. Oft hört man ja als Besucher zuweilen ellenlange Monologe, aber hier hat sich jemand was dabei gedacht und die Informationen recht kurzweilig und auf den Punkt genau für die Museumsbesucher gestaltet; gerade weil hier im A. C. Andersen-Museum auch viele Kinder mit von der Partie sind. Selbst meine hippeligen Kinder blieben hier erstaunlich lang am Ball; also am Hörer. Sie probierten hier und da vieles aus und staunten nicht schlecht über das große Bett mit den enorm vielen bunten Matratzen, welches aus dem Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ stammte.

Für Kinder und große Kinder – Das Museum hat für alle etwas
Der Rundgang war sehr interaktiv, das hat vor allen meinen Kinder gefallen. Sie konnten sich an vielen Stationen ausprobieren oder ihre eigenen Erfahrungen machen. Viele Ecken waren auch so gestaltet, dass man die Figuren, Häuser, etc. auch anfassen konnte. Am Ende haben Besucher die Möglichkeit mit ihren Kindern (empfehlenswert für Kinder bis 12 Jahre) Kinderwelt Ville Vau zu besuchen und ein bisschen zu verweilen. Hier können die Kinder tatsächlich in die magischen Welten der Märchen abtauchen. Wer will, kann sich verkleiden. Wer Lust hat, kann fische Fischen, sich Perücken aufsetzen, in einem Haus klettern oder andere für Kinder zauberhafte Sachen machen. Meine Kinder waren begeistert!
Wer war Hans Christian Andersen überhaupt?
- Hans Christian Andersen (1805–1875) war ein berühmter dänischer Schriftsteller und Dichter, der durch seine 168 Kunstmärchen wie „Die kleine Meerjungfrau“, „Die Schneekönigin“ und „Das hässliche Entlein“ Weltruhm erlangte. Der aus armen Verhältnissen stammende Andersen arbeitete auch als Romanautor, Dramatiker und verfasste zahlreiche Reiseberichte.
Was ist eigentlich ein Märchen?
Die Textgattung Märchen – eine kleine Definition
Ein Märchen ist eine kurze erzählende Textgattung, die meist aus der mündlichen Überlieferung stammt. Sie vermittelt fantastische und frei erfundene Inhalte. Typisch für Märchen sind einfache Handlungsstrukturen, klare Gegensätze zwischen Gut und Böse sowie wiederkehrende Motive wie Prüfungen, Verwandlungen oder magische Hilfsmittel. Oft bleiben im Märchen die Figuren schematisch und tragen keine individuellen psychologischen Tiefen, sondern verkörpern bestimmte Eigenschaften wie Mut, Neid oder Klugheit. Zeit und Ort sind meist unbestimmt. Typisch für ein Märchen ist der Beginn „Es war einmal …“, wodurch das Geschehen eine allgemeingültige, zeitlose Wirkung erhält. Märchen verfolgen häufig eine moralische oder lehrhafte Botschaft und enden meist mit einer positiven Auflösung, bei der das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Man unterscheidet zwischen Volksmärchen, die anonym überliefert wurden, und Kunstmärchen, die von bekannten Autoren gezielt gestaltet sind.
Die bekanntesten Märchen von Hans Christian Andersen
Die nachfolgenden Märchen sind jene Geschichten, die ich noch in Erinnerung hatte und aus meiner Kindheit kannte. Ich denke, dies sind so die bekanntesten Märchen von Hans Christian Andersen, wenn der Name des Autors fällt. Es gibt aber noch viele mehr der Märchen, die er aufgeschrieben und veröffentlicht hat.
- Das hässliche junge Entlein
- Die kleine Meerjungfrau
- Däumelinchen
- Die Prinzessin auf der Erbse
- Der standhafte Zinnsoldat
- Die Schneekönigin
- Des Kaisers neue Kleider
- Der kleine und der große Klaus
- Die Galoschen des Glücks
- Das Feuerzeug
- Der fliegende Koffer
- Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern
- Die Galoschen des Glücks
Diese Ausgabe von „Andersens Märchen – Der große Märchenschatz“ (Schmuckausgabe mit Goldprägung aus dem dänischen von Mathilde Mann, ANACONDA Verlag) kann ich nur empfehlen. Die deutsche Ausgabe habe ich mir sogleich vor Ort in Odense im Museum gekauft und meinen Kindern auch schon daraus vorgelesen.

Geburtshaus von Hans Christian Andersen integriert in den Museumsrundgang
Am Ende der Führung und des Museumsrundganges konnte der Besucher der Ausstellung das originale und historische Geburtshaus von Hans Christian Andersen besichtigen. Das alte, restaurierte und kleine Haus wurde direkt in den Neubau integriert. Es war wieder einmal erstaunlich wie klein die Häuser damals waren. Als Besucher konnte man die einzelnen Zimmer besichtigen. Lange stand ich vor einer Treppe und schaute mir den Aufgang an. Meinen Kinder zeigte ich, die doch recht steile Treppe nach oben und auch sie waren erstaunt. „Da kann man ja runterfallen“, sagten sie. Vor der Treppe nach oben in den ersten Stock war eine Absperrung, aber ich fand die steile Treppe so spannend, dass ich ein Bild davon machen musste und ein schönes interessantes Motiv mit den beiden oberen Türen und dem Fenster sah.

Ein beeindruckendes Scherenschnittkunst-Bild von Hans Christian Andersen
Ich komme noch einmal auf den Scherenschnitt von Andersen zurück. Denn genau dieser Scherenschnitt hat mich nach dem Besuch des Museums inspiriert diese Art des „Bastelns“, diese Art der Kunst, welches bei manchen Menschen sogar als kunstvolles Hobby gefrönt wird, wieder aufleben zu lassen. Wenn wir uns einmal versuchen zurück zu erinnern und wenn ich selbst einmal versuche mich zurück zu erinnern, dann hat möglicherweise fast jeder von uns diese Scherenschnitte mit Papier im eignen Leben schon einmal auf die ein oder andere Art und Weise gemacht. Wahrscheinlich eher im Kindergarten oder im Schulunterricht. Für die meisten von uns war es dann vermutlich auch das einzige und letzte Mal. Vielleicht gab es bei dem einen oder der anderen im Nachgang noch ein-zwei weitere Übungen, aber dann war es das wohl?
Aber nach diesem Scherenschnitt-Bild von Hans Christian Andersen wollte ich es nicht dabei belassen!

Einen Impuls in die Tat umgesetzt – Scherenschnitt von Jens Böhme
Nachdem wir wieder zu Hause in Rastede waren, habe wir uns am Wochenende hingesetzt und uns zusammen an der Scherenschnittkunst ausprobiert. Meine Kinder waren eifrig dabei, wie auch ich, und sagten: „Hey Papa, wir wissen wie das geht, das haben wir schon in der Schule gemacht!“
„Okay“, sagte ich, „dann legt mal los. Mals sehen, was wir so zu Tage fördern?“
Für Kinder – typisch mein Kinder – waren sie recht lange bei der Kunst des Scherenschnitts mit Papier dabei. Vor allem der Jüngere. Am Ende habe ich jedoch nach ein bis zwei Testläufen an einem Papier etwas länger gewerkelt. Inspiriert durch das Bild von H. C. Andersen habe ich dann noch mit Fettstiften einen Hintergrund gemalt. Ich fand einen klassischen Komplementärkontrast Orange & Blau am sinnvollsten. Ein passenden Bilderrahmen habe ich dann noch schnell bei IKEA geholt.
Scherenschnitt von Jens Böhme




Von diesem Bild habe ich mir nach dem Rundgang im Museum im Souvenir-Bereich ein Blanko-Notizbuch und das 500-teilige Puzzle als Erinnerung gekauft. Das Buch für eigene Geschichten und Ideen, schließlich gehöre ich ja auch zur schreibenden Zunft an. Das Puzzle wird mich immer an einen wundervollen Besuch im Hans Christian Andersen Museum und die schöne Stadt Odense erinnern. Ich denke auch recht lange, denn das Puzzle sieht nicht einfach aus.
Kurzer Exkurs – Was ist Scherenschnittkunst?
- Scherenschnitt / Scherenschnittkunst: Die traditionelle Bezeichnung für das Ausschneiden von Silhouetten oder Mustern, oft aus schwarzem Papier. Das Basteln mit Papier und Schere, bei dem ein Scherenschnitt-Bild entsteht, nennt man Scherenschnittkunst. Es ist eine besondere Form der Papierbearbeitung. Das Papier wird oft mehrfach gefaltet und mit einer Schere oder einem Papiermesser bearbeitet.
Wichtige Merkmale und Varianten:
- Symmetrie: Oft wird das Papier gefaltet, um durch einen Schnitt eine gespiegelte, symmetrische Form zu erhalten.
- Filigranes Schneiden: Besonders feine Arbeiten erfordern eine spitze Schere oder ein Cuttermesser, wobei oft ein feiner weißer Rand die Konturen betont.
- Scherenschnitt nach Matisse: Bunte Scherenschnitte mit organischen, „fingerartigen“ Formen.
- Papel picado: Eine mexikanische Kunstform, bei der oft Seidenpapier mit Scheren oder Meißeln bearbeitet wird.H. C. Andersen hat auch Romane geschrieben, die zu seiner Zeit auch recht erfolgreich waren. Die aber nach der Publikation seiner Märchen in Vergessenheit gerieten.
Das Hans Christian Andersen-Elternhaus
Am Ende unserer Tour durch Odense habe ich noch schnell das Elternhaus von Hans Christian Andersen besucht und ein-zwei Schnappschüsse gemacht. Mehr Zeit hatten wir nicht, denn wir mussten wieder zurück nach Nordborg.




Nützliche Information zum Besuch des Hans Christian Andersen-Museum:
- Eintrittspreis: 75 DKK (umgerechnet ca. 10 EUR)
- Achtung – das lohnt sich! Die Eintrittskarte für das Hans Christian Andersen-Museum gewährt bis zu 30 Tagen nach dem Besuch den einmaligen freien Eintritt zu Hans Christian Andersens-Elternhaus.
- Audioguide für den Rundgang (im H. C. Andersen-Museum)
- Mehr Informationen zu den Öffnungszeiten des H. C. Andersen-Museum.
- Mehr Informationen und zur Planung eines Besuches des H. C. Andersen-Museum.
Ein Porträt über Hans Christian Andersen auf ARD alpha:
Ganz interessant und alles in Kürze: ARD – Klassiker der Weltliteratur | Hans Christian Andersen
Hier im Porträt von ARD alpha wird auch der Unterschied zwischen Volksmärchen und Kunstmärchen kurz erklärt.
- Volksmärchen: Ein anonym überliefertes Märchen aus der mündlichen Tradition, das durch einfache Sprache, feste Motive und klare Gut-Böse-Strukturen geprägt ist.
- Vertreter: Brüder Grimm, Charles Perrault, Alexander Afanasjew
- Kunstmärchen: Ein bewusst von einem bekannten Autor geschaffenes Märchen mit individueller Handschrift, oft komplexerer Handlung und tieferer Figurenzeichnung.
- Vertreter: Hans Christian Andersen, E. T. A. Hoffmann, Wilhelm Hauff, Oscar Wilde
Welche berühmten Märchensammlungen gibt es?
Hans Christian Andersen war nicht der einzige, der Märchen gesammelt, aufgeschrieben oder gar kunstvoll ausgeschmückt hat. Gerade im deutschsprachigen Raum sind die Gebrüder Grimm ein Begriff und den meisten von uns dürften ihre Märchen bekannt sein.
Märchen über Märchen – hier sind die bekanntesten Sammlungen:
- Brüder Grimm (Jacob und Wilhelm Grimm): Ihre Kinder- und Hausmärchen (erstmals 1812/1815) sind die wohl berühmteste deutsche Märchensammlung weltweit.
- Ludwig Bechstein: Er sammelte ebenfalls deutsche Märchen und Sagen, darunter das Deutsche Märchenbuch (1845) und das Neues deutsches Märchenbuch.
- Hans Christian Andersen: Er ist bekannt für seine Kunstmärchen wie „Die kleine Meerjungfrau“ oder „Das hässliche Entlein“, die im 19. Jahrhundert entstanden.
- Wilhelm Hauff: Bekannt für seine Märchenalmanache, die Rahmenhandlungen enthalten, wie „Die Karawane“ (darunter „Zwerg Nase“).
- Charles Perrault: Ein französischer Autor, der Ende des 17. Jahrhunderts Märchen wie „Rotkäppchen“, „Aschenputtel“ und „Der gestiefelte Kater“ sammelte und aufschrieb.
- Tausendundeine Nacht (Arabische Nächte): Eine berühmte Sammlung orientalischer Erzählungen, zu der Geschichten wie „Aladin und die Wunderlampe“ gehören.
- Joseph Jacobs: Ein Sammler, der englische Märchen wie „Hans und die Bohnenranke“ zusammengetragen hat.
Kleiner Literatur-Tipp für Kinder in eigener Sache:
„Das Geheimnis des goldenen Drachens“ von Jens Böhme
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